Shopware 6 als Content Management System nutzen
Vor einigen Wochen haben wir unsere Webseite einem kompletten Relaunch unterzogen. Dabei ging es uns gar nicht unbedingt um eine optische Neugestaltung der Seite, vielmehr haben wir die Technologie im Hintergrund getauscht. Wir sind weg von WordPress und hin zu… Shopware.
Shopware als CMS? Ja, genau
Zugegeben: Shopware 6 wurde nicht als CMS-System für Webseiten gebaut. Mit ein wenig Fantasie und ein paar gezielten Anpassungen lässt sich Shopware jedoch auch sehr gut für statische Inhalte nutzen. Damals haben wir die meisten statischen Seiten als Shopware-„Erlebniswelten” umgesetzt. Unsere Plugins waren als Produkte angelegt und wurden als Produktdetailseiten dargestellt, lediglich der Warenkorb-Button war für unsere Zwecke angepasst. Auch den Blog haben wir über die Shopware-Blog-Funktion betrieben. (Hinweis: Inzwischen läuft bui-hinsche.com auf einem eigenständigen Setup mit Astro. Der Shopware-als-CMS-Vergleich in diesem Beitrag bleibt aber gültig.)
Wie die Erlebniswelten technisch funktionieren
Damit du einschätzen kannst, ob Shopware als CMS für dich taugt, lohnt ein kurzer Blick unter die Haube. Das Content-Werkzeug von Shopware 6 heißt offiziell „Shopping Experiences“, im deutschen Backend „Erlebniswelten“. Es funktioniert nach einem Baukastenprinzip: Du legst ein Layout an, füllst es mit Sektionen und ziehst dort Blöcke hinein, etwa Text, Bild, Bild-Text-Kombination, Slider oder Videos. Diese Layouts lassen sich dann Kategorieseiten, Produktdetailseiten oder Landingpages zuweisen.
Der entscheidende Vorteil gegenüber statischem HTML: Ein einmal gebautes Layout kannst du auf viele Seiten anwenden und zentral pflegen. Wer mehr braucht, als die Standardblöcke hergeben, kann eigene CMS-Blöcke und -Elemente per Plugin entwickeln. Genau das ist der Punkt, an dem unser eigenes Know-how als Plugin-Entwickler greift, denn ein individueller Block macht aus dem Baukasten ein maßgeschneidertes Redaktionssystem. Welche fertigen Erweiterungen es bei uns gibt, siehst du in unserer Plugin-Übersicht.
Shopware vs. WordPress: Ein ehrlicher Vergleich
Bevor wir auf die Vorteile eingehen, eine ehrliche Einschätzung: WordPress ist speziell für Content Management entwickelt worden und bietet in diesem Bereich eine ausgereifte Infrastruktur, von der riesigen Plugin-Bibliothek bis hin zum intuitiven Gutenberg-Editor.
Shopware ist zunächst einmal ein E-Commerce-System. Der Content-Bereich (die sogenannten „Shopping Experiences” bzw. Erlebniswelten) ist leistungsfähig, aber in erster Linie für Shop-Seiten optimiert.
Warum haben wir uns dennoch für Shopware entschieden? Weil wir als E-Commerce-Agentur täglich mit Shopware arbeiten, die Plattform in- und auswendig kennen und von der technischen Architektur überzeugt sind. Das bedeutet für uns: weniger Systembrüche, ein einheitlicher Tech-Stack und der Wegfall eines separaten CMS-Systems. Statt zwei Systeme zu pflegen, zu aktualisieren und gegen Sicherheitslücken abzusichern, kümmern wir uns nur noch um eines.
Ein Shopsystem als CMS bietet echte Vorteile
Als langjährige Shopware-Agentur ist es für uns nur konsequent, Shopware auch für unsere eigene Webseite zu nutzen. Aber auch für andere Unternehmen kann dieser Ansatz interessant sein:
Einheitliches Ökosystem: Shopware bietet zahlreiche native Schnittstellen zu ERP-Systemen, Newsletter-Tools, Social-Media-Plattformen, Analytics-Lösungen und vieles mehr. Wer eine Unternehmenswebseite auf Shopware betreibt, kann all diese Integrationen sofort nutzen, ohne ein zweites System pflegen zu müssen.
Dynamische Inhaltspflege: Shopware ermöglicht es, dynamische Inhalte einfach zu verwalten. Ein praxisnahes Beispiel: Ein Karrierebereich, bei dem jede neue Stellenausschreibung einfach als „Produkt” angelegt wird, mit Kategorisierung nach Abteilung, Standort und Beschäftigungsart.
Blog und Redaktionsinhalte: Die Shopware-Blog-Funktion ist für einfache Redaktionsinhalte gut geeignet. Blogbeiträge können kategorisiert, mit Tags versehen und über eine eigene URL-Struktur indexiert werden.
SEO und Performance aus einem Guss: Weil Shopware ohnehin auf Shop-SEO und schnelle Auslieferung ausgelegt ist, profitierst du davon auch im Content-Bereich. Saubere URLs, Meta-Tags, strukturierte Daten und Caching sind bereits Teil der Plattform. Du musst nicht erst über Plugins zusammensuchen, was bei einem reinen CMS oft erst nachgerüstet werden muss. Für ein Unternehmen, das Wert auf Sichtbarkeit legt, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Shop-Funktionalität auf Abruf: Der vielleicht größte Vorteil: Auch wenn ein Unternehmen normalerweise keine Produkte online verkauft, ist die Shopfunktionalität immer vorhanden. Aktionen wie der Verkauf von Event-Tickets, limitierten Merchandise-Produkten oder digitalen Downloads lassen sich kurzfristig aktivieren, ohne ein neues System aufsetzen zu müssen.
Wie haben wir Shopware als CMS konkret umgesetzt?
Bei unserem Relaunch haben wir folgende Shopware-Funktionen für CMS-Zwecke genutzt:
- Erlebniswelten für alle statischen Seiten (Leistungen, Über uns, Referenzen, Kontakt)
- Produktdetailseiten für unsere Plugins, angepasster Template ohne Warenkorb-Funktionalität
- Blog für Fachartikel wie diesen
- Kategorieseiten als strukturierte Übersichtsseiten für Plugin-Gruppen
Besonders elegant ist der Plugin-Trick: Jedes unserer Plugins ist als Produkt angelegt. Dadurch bekommen wir Kategorien, Filter, eine saubere URL-Struktur und die komplette Produktlogik geschenkt, ohne dafür ein eigenes CMS-Datenmodell bauen zu müssen. Wir mussten lediglich das Produkt-Template anpassen, etwa den Warenkorb-Button durch einen Verweis auf den Shopware Store oder eine Anfrage ersetzen. Für ein Plugin-Portfolio, das wachsen soll, ist das ein sehr pragmatischer Ansatz.
Die Grenzen: Wo Shopware als CMS an seine Grenzen stößt
So gut der Ansatz für uns funktioniert, es gibt klare Grenzen, die du kennen solltest, bevor du dich darauf einlässt.
Redaktionsworkflows sind schwach. Shopware bietet von Haus aus keine echten mehrstufigen Freigabeprozesse, keine Entwurfsversionen mit Vorschau-Links für Stakeholder und keine ausgefeilte Versionshistorie für Inhalte. Wenn in deinem Unternehmen mehrere Redakteure Texte schreiben, die erst durch eine Freigabe müssen, wird das mit Shopware umständlich.
Der Editor ist für Shop-Logik gedacht. Die Erlebniswelten sind blockbasiert und visuell, aber sie denken in Shop-Strukturen, nicht in Artikeln und Fließtext. Für eine Redaktion, die täglich lange Beiträge schreibt, ist ein klassischer Content-Editor wie der von WordPress oder ein Headless-CMS deutlich angenehmer.
Performance und Komplexität. Shopware ist ein vollständiges Shopsystem mit allem, was dazugehört. Wer nur eine schlanke Inhaltswebseite braucht, schleppt viel Funktionalität mit, die nie genutzt wird. Hosting, Updates und Wartung sind aufwendiger als bei einem reinen CMS. Genau deshalb ist eine verlässliche laufende Betreuung bei diesem Setup kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, dass die Seite dauerhaft sicher und aktuell bleibt.
Wann ist Shopware als CMS sinnvoll?
Shopware als reines CMS empfehlen wir nicht für jeden. Es macht insbesondere dann Sinn, wenn:
- Das Unternehmen bereits Shopware als Shop nutzt und die Unternehmenswebseite konsolidieren möchte
- Mittelfristig E-Commerce-Funktionen auf der Webseite geplant sind
- Das Team bereits Shopware kennt und keine neue Plattform erlernen möchte
- Die Anforderungen an den CMS-Bereich eher einfach sind (kein komplexer Redaktionsworkflow, keine mehrstufigen Freigabeprozesse)
Für Unternehmen ohne Shopware-Hintergrund und mit primär redaktionellen Anforderungen ist WordPress oder ein dediziertes Headless-CMS wie Contentful oder Storyblok häufig die bessere Wahl.
Unser Fazit
Der Wechsel von WordPress zu Shopware war für uns die richtige Entscheidung, aber eine, die zu unserem spezifischen Kontext als Shopware-Agentur passt. Für andere Unternehmen kann die Antwort anders aussehen. Wer bereits einen Shopware-Shop betreibt und seine Webseite konsolidieren will, fährt mit dem Ansatz oft gut. Wer ein reines Redaktionssystem mit komplexen Freigaben sucht, sollte ehrlich bei einem dedizierten CMS bleiben.
Gerne beraten wir dich, wie wir deine Unternehmenswebseite auf Basis von Shopware 6 realisieren können, oder welche CMS-Lösung für deinen Anwendungsfall die bessere Wahl ist. Und wenn dir an deinem bestehenden Shopware-Setup ein passender Content-Block oder eine individuelle Funktion fehlt, schau in unsere Plugins oder buch dir direkt einen Termin. Wir sagen dir ehrlich, was sich lohnt und was nicht.
Wie gesund ist dein Shop wirklich?
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Als Shopware Premium Extension Partner kennen wir die Plattform in der Tiefe. Verbindliches Angebot nach Erstgespräch.