Shopify vs Magento (Adobe Commerce): Was passt wem?
Shopify oder Magento? Wir vergleichen Kosten, Flexibilität und Betriebsaufwand beider Plattformen, damit du die richtige Entscheidung für deinen Shop triffst.
Zwei Plattformen, die auf den ersten Blick im selben Markt spielen und in der Praxis kaum unterschiedlicher sein könnten. Shopify ist eine verwaltete SaaS-Plattform, die dir Infrastruktur und Betrieb abnimmt. Magento bzw. Adobe Commerce ist ein hochflexibles Open-Source-Framework, das dir technisch fast keine Grenzen setzt, dafür aber erhebliche Ressourcen verlangt. Welche Plattform zu dir passt, hängt nicht davon ab, welche mehr Funktionen hat. Es hängt davon ab, was dein Team stemmen kann und was dein Geschäftsmodell wirklich braucht.
Was hinter diesen Namen steckt
Magento wurde 2008 als Open-Source-Shopsystem gestartet und 2018 von Adobe übernommen. Seitdem gibt es zwei Varianten: Magento Open Source ist weiterhin kostenlos lizenzierbar, liegt aber zunehmend in einem Pflege-Graubereich. Adobe Commerce ist die kommerzielle Variante mit erweitertem B2B-Funktionsumfang, Adobe-Cloud-Hosting und direktem Adobe-Support. Beide Varianten basieren auf demselben PHP/Symfony-Fundament und verlangen ähnlich tiefe Entwicklerkenntnisse.
Shopify dagegen ist seit seiner Gründung 2006 als gemanagtes System konzipiert. Du bekommst Hosting, CDN, Sicherheitspatches und Plattform-Updates inklusive, ohne selbst Hand anlegen zu müssen. Der Shopify-Grundartikel erklärt dieses SaaS-Prinzip ausführlich. Für den Vergleich zwischen Shopify und Shopware, einer weiteren starken Open-Source-Alternative, lohnt sich ein Blick in den Artikel Shopify vs Shopware.
Kosten und Total Cost of Ownership
Das ist der Punkt, an dem viele Entscheidungen kippen. Magento Open Source hat keine Lizenzgebühr. Adobe Commerce hingegen startet im Einstiegssegment bei mehreren tausend Euro im Monat und skaliert mit dem Umsatzvolumen. Dazu kommt professionelles Hosting, das für eine performante Adobe-Commerce-Installation leicht 1.500 bis 3.000 Euro im Monat kostet, plus ein Entwicklerteam für Updates, Patches, Modulpflege und Deployments.
Shopify-Pläne beginnen für kleine Shops günstig und die Enterprise-Stufe Shopify Plus liegt bei rund 2.300 Euro im Monat (Stand 2026). Mehr zu den Planoptionen in unserem Artikel Shopify Pläne im Überblick. Auf den ersten Blick wirkt Shopify teurer als Magento Open Source. Auf den zweiten Blick sieht das Bild anders aus: Ein vollständig betriebenes Adobe-Commerce-Setup auf Enterprise-Niveau erreicht laut unabhängigen TCO-Berechnungen schnell ein Vielfaches der Shopify-Plus-Kosten. Allein Entwickler, Hosting und Agenturbudget für Adobe Commerce können fünfstellige Monatsbeträge erreichen, bevor der erste Cent in neue Features geht.
Für kleine bis mittelgroße Shops gilt daher: Magento Open Source ist nicht günstig, sobald du Entwicklerkapazität und Hosting ehrlich einrechnest.
Technische Tiefe vs. Betriebsaufwand
Magento und Adobe Commerce bieten technisch nahezu unbegrenzte Anpassungsmöglichkeiten. Du kannst jede Zeile Code anfassen, eigene Module schreiben, Datenbankstrukturen erweitern und Prozesse bis ins kleinste Detail anpassen. Das ist ein echtes Argument, wenn dein Geschäftsmodell spezifische Logik braucht, die keine Standardplattform abbildet.
Der Preis dafür ist erheblich:
- Du brauchst dauerhaft erfahrene PHP-Entwickler mit Magento-Know-how, ein Profil, das am Markt rar und teuer ist.
- Jedes Magento-Major-Update erfordert Migrationsarbeit. Upgrades zwischen Versionen können Wochen dauern, und sie müssen vollständig regressionsgetestet werden.
- Die Administrationsoberfläche ist komplex. Redakteure und Shop-Betreiber ohne technischen Hintergrund stoßen schnell an Grenzen.
- Sicherheitspatches musst du selbst einspielen. Wer das nicht tut, hat ein Problem: Magento-Installationen ohne aktuellen Patchstand gehören zu den häufigsten Einfallstoren für Shop-Hacks.
Shopify nimmt dir diesen Betriebsaufwand komplett ab. Updates passieren automatisch, Sicherheit ist Shopifys Verantwortung, Hosting ist inklusive. Wenn du regelmäßig mit Shopify-Apps arbeitest und einfache bis mittlere Anforderungen hast, kommst du ohne eigenes Entwicklerteam weit.
B2B: Wo Adobe Commerce noch vorn liegt
Bei komplexen B2B-Anforderungen war Adobe Commerce lange Zeit klar führend. Unternehmensspezifische Kataloge, Angebotsworkflows, Bestellfreigaben, Staffelpreise, Rahmenverträge und mehrstufige Einkaufsorganisationen: Adobe Commerce bringt das alles als Kernfunktion mit, ohne dass du tiefgreifende Anpassungen brauchst.
Shopify Plus hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt. Native B2B-Funktionen wie Unternehmenskonten, individuelle Preislisten, Zahlungsziele und Kaufauftrag-Workflows sind inzwischen verfügbar. Sie decken B2B-Anforderungen für mittelgroße Händler gut ab. Für sehr komplexe B2B-Setups mit regulierten Beschaffungsprozessen, stark fragmentierten Unternehmenshierarchien oder länderspezifischen Compliance-Anforderungen bleibt Adobe Commerce die technisch tiefere Plattform.
Wer international verkauft, sollte außerdem Shopify Markets im Blick haben: Für die meisten Internationalisierungs-Szenarien ist das heute eine pragmatische Lösung.
Wann Shopify die bessere Wahl ist
Shopify gewinnt, wenn folgende Punkte auf dich zutreffen:
- Du willst schnell live gehen, idealerweise ohne monatelange Projektlaufzeiten.
- Du hast kein internes Entwicklerteam oder willst keines für den Plattformbetrieb binden.
- Dein Geschäftsmodell ist im Wesentlichen standardkonform, du brauchst keine komplett eigene Checkout-Logik oder stark angepasste Datenbankstruktur.
- Du willst planbare, transparente Plattformkosten statt schwankenden Agentur-Stundenbudgets für Pflege.
- Du vertreibst B2C oder mittelkomplexes B2B und dein Wachstum läuft über Marketing und Conversion, nicht über Prozesstiefe.
Wir helfen dir beim Aufbau eines Shopify-Shops oder bei der Migration zu Shopify, wenn eine andere Plattform nicht mehr passt.
Wann Magento oder Adobe Commerce das sinnvollere System ist
Adobe Commerce bleibt stark, wenn:
- Du sehr komplexe B2B-Anforderungen hast, die Shopify auch in der Plus-Stufe nicht vollständig abbildet.
- Du ein internes Entwicklerteam hast oder dir langfristig ein fest betreutes Entwicklerteam leisten kannst und willst.
- Du eine Plattform brauchst, bei der du buchstäblich jeden Aspekt kontrollieren kannst, von der Datenbankstruktur bis zur Cart-Logik.
- Du bereits eine gewachsene, stabile Adobe-Commerce-Installation betreibst, die gut gewartet ist und deren Migrationsaufwand die Vorteile einer neuen Plattform überwiegen würde.
Wenn du Magento verlässt und überlegst, wohin du wechselst, solltest du beide großen Alternativen prüfen. Die Artikel Von Magento zu Shopify migrieren und Von Magento zu Shopware migrieren helfen dir, die Entscheidung strukturiert anzugehen.
Häufige Fragen
Kann ich von Magento zu Shopify wechseln, ohne Daten zu verlieren?
Eine Magento-Migration nach Shopify ist technisch gut beherrschbar. Produkte, Kategorien, Kunden und Bestellhistorie lassen sich migrieren. Kritischer ist die URL-Struktur: Magento und Shopify haben unterschiedliche URL-Konventionen, und ohne saubere Redirect-Strategie verlierst du SEO-Rankings. Ein erfahrenes Migrations-Team plant das von Anfang an mit ein.
Ist Magento Open Source wirklich kostenlos?
Die Lizenz ist kostenlos. Der Betrieb nicht. Du brauchst Hosting, Entwicklerzeit für Updates und Patches, und regelmäßige Agenturbegleitung, sobald das System wächst. Wer das ehrlich einrechnet, kommt oft auf Monatskosten im vierstelligen Bereich, noch bevor ein einziger neuer Feature-Wunsch umgesetzt wird.
Shopify Plus oder Adobe Commerce für einen mittelgroßen B2B-Shop?
Für B2B-Shops mit Umsätzen im einstelligen Millionenbereich und überschaubarer Organisationsstruktur ist Shopify Plus heute in den meisten Fällen ausreichend und erheblich günstiger im Betrieb. Adobe Commerce lohnt sich, wenn du mehrstufige Einkaufsstrukturen, komplexe Angebotsworkflows oder sehr individuelle Preislogiken brauchst, die Shopify nicht nativ abbildet.
Wie lange dauert eine Shopify-Implementierung im Vergleich zu Adobe Commerce?
Ein Shopify-Projekt ist in zwei bis vier Monaten live, bei einfachen Shops auch schneller. Adobe-Commerce-Implementierungen dauern typischerweise sechs bis zwölf Monate. Das liegt nicht nur an der Komplexität der Plattform, sondern auch an der notwendigen Anpassungsarbeit, die selbst Standardfunktionen bei Adobe Commerce mit sich bringen.
Wenn du unsicher bist, welches System zu deiner Situation passt, oder wenn du eine bestehende Magento-Installation bewertest, schau dir unseren Migrations-Check an. Wir analysieren deinen aktuellen Shop und geben dir eine ehrliche Einschätzung, ob und wohin ein Wechsel Sinn ergibt.
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