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ERP-Integration für E-Commerce 2026: xentral, tricoma und Atamya im Vergleich

Matthias Hinsche 15 Min. Lesezeit
ERP-Integration für E-Commerce 2026: xentral, tricoma und Atamya im Vergleich

Ein Onlineshop ohne ordentliches ERP ist wie ein Auto ohne Tacho. Du fährst, aber du weißt nicht, was passiert. In den ersten Monaten geht das gut. Spätestens nach 30 Bestellungen pro Tag, mehreren Verkaufskanälen oder einem dritten Mitarbeiter im Service wird es zur Bremse.

Dieser Leitfaden räumt mit den größten Mythen rund um ERP-Einführung im E-Commerce auf. Welches System wann passt, wie eine saubere Anbindung aussieht, wie du aus Excel oder Lexware migrierst und wo die teuren Fehler liegen. Geschrieben aus Dutzenden xentral-, tricoma- und Atamya-Projekten, die wir betreut haben.

Inhalt


Wann lohnt sich ein ERP überhaupt?

Es gibt einen klaren Schwellenwert, ab dem ein ERP keine Frage des „Will ich” mehr ist, sondern eine Frage des „Wann”. Diese Indikatoren sehen wir in der Praxis regelmäßig.

Ein ERP ist überfällig, wenn:

  • Du mehr als 30 Bestellungen pro Tag hast
  • Du auf mehr als einem Kanal verkaufst (Shop, Amazon, eBay, stationär)
  • Du Lagerbestände in mehreren Systemen pflegst (Shop + Excel + Buchhaltung)
  • Du mehr als einen Mitarbeiter hast, der mit Bestellungen arbeitet
  • Du in den letzten 30 Tagen Übersicht über deine Bestände verloren hast
  • Du Rechnungen und Lieferscheine manuell aus Templates baust
  • Du mehr Zeit mit Stammdaten-Pflege als mit Marketing oder Service verbringst

Ein ERP kann warten, wenn:

  • Du unter 10 Bestellungen pro Tag hast
  • Du nur über einen Kanal verkaufst
  • Dein Sortiment unter 100 Artikeln liegt und stabil ist
  • Du alleine oder zu zweit den Versand machst
  • Dein Wachstum klar planbar ist und du 6 bis 12 Monate Puffer hast

Bei BuI Hinsche sehen wir typischerweise: Shops, die zwischen 1 und 2 Millionen Euro Jahresumsatz wachsen, sind die kritische Phase. Hier wird der Mangel an ERP zur Wachstumsbremse, ohne dass die Inhaber es zunächst merken. Sie arbeiten 60 Stunden statt 40, weil die Prozesse manuell sind. Ein passendes ERP reduziert diese Belastung in 6 bis 12 Monaten spürbar.

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Was ein ERP wirklich tut, was nicht

ERP heißt Enterprise Resource Planning. Der Name ist sperrig, die Funktion klar: ein zentrales System, das deine Ressourcen verwaltet. Im E-Commerce-Kontext umfasst das typischerweise:

Was ein gutes ERP übernimmt:

  • Artikel- und Stammdatenpflege als Master für Shop, Marktplätze und Lager
  • Auftragsabwicklung vom Bestelleingang bis zur Rechnung
  • Lager- und Bestandsführung über ein oder mehrere Lager
  • Versandlogik mit Anbindung an DHL, GLS, DPD, UPS oder andere
  • Buchhaltungs-Export an DATEV, Lexware, sevDesk
  • Beschaffung mit Lieferanten-Verwaltung, Bestellungen, Wareneingang
  • Reporting über Umsatz, Margen, Bestände, Lieferzeiten

Was ein ERP nicht ist:

  • Kein Marketing-Tool (auch wenn manche ERPs einfache Newsletter-Funktionen mitbringen)
  • Kein Shop-System (auch wenn xentral, tricoma und Atamya kleine Shop-Ansätze haben)
  • Kein CRM im Sinne von Vertriebs-Pipeline
  • Kein PIM für komplexe Produktinformations-Pflege (wobei Atamya hier vorne liegt)
  • Keine Buchhaltung im engeren Sinne (Konten, Bilanzen, Abschlüsse)

Wer ein ERP einführt und gleichzeitig Shop, CRM und Marketing damit erledigen will, kombiniert drei Projekte zu einem. Das ist erfahrungsgemäß der Weg zur Frustration. Klare Trennung der Verantwortlichkeiten ist die robustere Architektur.


Vergleich: xentral, tricoma und Atamya

Wir arbeiten mit allen drei Systemen aktiv und haben ein klares Bild, wann welches passt. Hier ein fairer Vergleich auf Basis aktueller Projekte.

xentral

  • Stärken: solide Komplett-Lösung, sehr gute Shopware-Anbindung, intuitive Bedienung, deutscher Anbieter mit DSGVO-Schwerpunkt
  • Schwerpunkt: wachsende B2C- und kleinere B2B-Shops im Mittelstand
  • Preisliche Größenordnung: Editionen ab ca. 750 Euro pro Monat, mittlere Setups typischerweise 1.500 bis 4.000 Euro pro Monat
  • Wann passend: Du willst eine bewährte Standardlösung mit guter Shop-Anbindung und brauchst nicht extreme Sonderlogik
  • Limitierung: Sehr individuelle Anforderungen erfordern Custom-Entwicklung, was schnell teuer wird

tricoma

  • Stärken: stark im B2B, starkes Multi-Channel, modular aufgebaut, tiefe Konfigurierbarkeit
  • Schwerpunkt: Großhandel, B2B-orientierte Shops, mehrkanalige Setups (Amazon, eBay, Otto, eigener Shop)
  • Preisliche Größenordnung: Module einzeln preislich, typische Setups 1.000 bis 5.000 Euro pro Monat
  • Wann passend: Multi-Channel im Vordergrund, viele Sonderregeln in Preisfindung und Versand, Großhandels-Logik
  • Limitierung: Steile Lernkurve, Setup-Aufwand höher als xentral, weniger Standard-Schönheit

Atamya

  • Stärken: moderne Cloud-Architektur, starkes PIM, gute Multi-Channel-Strategie, internationale Ausrichtung
  • Schwerpunkt: Sortimente mit vielen Varianten, Marken mit Print- und Online-Verkauf, Sortimente, die ständig wachsen
  • Preisliche Größenordnung: SaaS-Pricing nach Modulen, mittlere Setups 4.000 bis 12.000 Euro pro Jahr Software plus Implementierung
  • Wann passend: Du hast komplexe Produkt-Informationen mit vielen Attributen, mehrere Sprachen oder Marken
  • Limitierung: Weniger verbreitet im Mittelstand, kleinere Community, Lernkurve bei Implementierungs-Partnern

Faire Tabelle der typischen Stärken:

KriteriumxentraltricomaAtamya
Standard-Setup-GeschwindigkeitSehr gutMittelMittel
Shopware-AnbindungSehr gutGutGut
Shopify-AnbindungGutGutSehr gut
Multi-Channel MarktplätzeGutSehr gutSehr gut
B2B-FunktionenSolideSehr gutGut
PIM-TiefeSolideGutSehr gut
InternationalisierungSolideGutSehr gut
Custom-AnpassbarkeitMittelSehr gutMittel
Community / Partner-NetzwerkSehr gutGutWachsend

Es gibt nicht ein bestes System. Es gibt das passende. Wir empfehlen jedem Interessenten, mit allen drei Anbietern eine Discovery zu führen, bevor er sich entscheidet.

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Anbindungs-Patterns: Wie Shop und ERP reden

Eine ERP-Anbindung an deinen Shop ist nicht ein Knopf, sondern eine Architektur-Entscheidung. Drei Patterns sehen wir regelmäßig.

Pattern A: Standard-Plugin oder Standard-Modul

  • xentral hat ein Shopware-6-Plugin, ebenso tricoma und Atamya haben Konnektoren
  • Vorteil: Schnell aufgesetzt, dokumentiert, wartbar
  • Limitierung: Du arbeitest mit dem Funktionsumfang des Standards, Sonderfälle brauchen Custom-Erweiterung
  • Empfohlen für: 80 Prozent der Mittelständler, die keine sehr individuellen Sonderprozesse haben

Pattern B: Custom-Konnektor

  • Eigene Schnittstelle, meist von einer Agentur gebaut
  • Vorteil: Volle Kontrolle über jeden Datenpunkt
  • Nachteil: Höhere Initialkosten (10.000 bis 40.000 Euro), Wartung liegt bei dir oder der Agentur
  • Empfohlen für: Shops mit sehr individueller Logik, die im Standard nicht abbildbar ist (z.B. komplexe B2B-Preisfindung, Lager-Logik mit eigenen Regeln)

Pattern C: Middleware

  • Zwischenschicht zwischen Shop und ERP, oft Zapier, Make oder eine spezialisierte iPaaS-Plattform
  • Vorteil: Flexibilität, einfache Erweiterbarkeit auf weitere Systeme
  • Nachteil: Zusätzliches System, das gepflegt werden muss, monatliche Kosten je nach Volumen
  • Empfohlen für: Shops, die mehrere ERPs oder mehrere Shops parallel haben

Was bei jeder Anbindung gilt:

  • Synchronisation läuft asynchron mit Queue. Nie synchron auf Bestellung warten. Wenn die Schnittstelle hängt, soll der Shop trotzdem laufen.
  • Jede Schnittstelle hat ein Monitoring. Wenn die Queue nicht abgearbeitet wird, muss jemand das vor dem Kunden merken.
  • Manuelle Re-Sync-Möglichkeit. Im Fehlerfall musst du einzelne Artikel oder Bestände neu syncen können, ohne Datenbank-Zauberei.
  • Logging mit Aufbewahrung. Wenn eine Bestellung nicht ins ERP gelangt, willst du in 14 Tagen noch sehen, warum.

In unserer Wartung sehen wir häufiger Schnittstellen, die in der Implementierung billig waren und in der Wartung teuer werden. Das günstigste Plugin ist nicht das günstigste Setup. Wer 3.000 Euro bei der Schnittstelle spart und ein Jahr später 8.000 Euro für Stabilisierung zahlt, hat schlecht eingekauft.

xentral-Onboarding mit Schnittstellen-Konzept


Stammdaten-Strategie: Wer ist Master?

Stammdaten sind das Rückgrat jeder ERP-Integration. Wenn die Stammdaten-Logik unklar ist, scheitert die Anbindung an Detailfragen, die niemand vorher gestellt hat.

Die Master-Frage musst du pro Datenpunkt klären:

  • Artikelnummer: ERP ist Master, Shop übernimmt. Punkt.
  • Artikelname und Beschreibung: Shop ist Master, wenn SEO und Marketing wichtig sind. ERP, wenn die Pflege im ERP zentral läuft.
  • Preise: ERP ist Master für Standard-Preise und Staffelpreise, Shop bekommt kundengruppen- oder kampagnen-spezifische Anpassungen extra.
  • Lagerbestand: ERP ist immer Master. Niemals Shop. Niemals Excel.
  • Kunden: Diskussion. In B2C ist meist Shop Master, in B2B oft ERP, wenn dort die Stammkunden gepflegt werden.
  • Bestellungen: Shop ist Master, ERP übernimmt für Abwicklung.
  • Versandadressen: Shop ist Master, ERP übernimmt für Versandlabel.
  • Bilder und Mediendateien: Shop oder PIM, nicht ERP. ERP ist kein Bildverwaltungs-System.

Häufige Fehler in der Stammdaten-Strategie:

  • Zwei Master für einen Datenpunkt. Klassiker: Preise werden im ERP gepflegt, manche „Aktions-Preise” aber im Shop. Sync läuft, dann werden Preise hin- und hergeschoben.
  • Synchronisation ohne Konfliktauflösung. Was passiert, wenn Shop und ERP gleichzeitig denselben Artikel ändern? Wer gewinnt? Wenn die Antwort „kommt drauf an” ist, hast du keine Strategie, sondern ein Problem.
  • Artikelnummern-Logik nicht zukunftssicher. Manche Shops starten mit 4-stelligen Artikelnummern, dann kommt eine Variante dazu, und die Logik bricht.

Pflicht vor jeder Anbindung: Ein Datenmodell auf einer Seite Papier. Welche Felder gibt es, wer ist Master, in welcher Frequenz wird synchronisiert. Wer das nicht hat, baut Schulden, die später Wartungs-Kunden bei uns werden.


Lager, Versand und Multi-Warehouse

Lager-Logik ist der Bereich, in dem Excel-Dropshipping und reale Lager am häufigsten kollidieren. Hier konkrete Pattern aus unserer Praxis.

Ein-Lager-Setup (Standard):

  • ERP führt den Lagerbestand
  • Shop bekommt Bestände in Echtzeit oder per regelmäßigem Sync (alle 5 bis 15 Minuten)
  • Bei Bestellung wird im ERP gebucht, Shop bekommt aktualisierten Bestand zurück
  • Funktioniert sauber bei xentral, tricoma und Atamya

Multi-Lager-Setup:

  • Mehrere physische Lager, oder Hauptlager plus Dropshipping
  • ERP entscheidet pro Bestellung, aus welchem Lager versendet wird
  • Shop zeigt entweder Summenbestand oder lagerspezifischen Bestand
  • xentral und tricoma bieten das Standard, Atamya gut konfigurierbar

Dropshipping-Setup:

  • Lager liegt beim Lieferanten, nicht bei dir
  • ERP hat Sollbestand vom Lieferanten (per CSV, EDI oder API)
  • Bestellung wird automatisch an Lieferanten weitergegeben
  • Anspruchsvoll, weil Datenqualität des Lieferanten oft schwankt

Versand-Anbindung:

  • DHL und DPD direkt aus ERP heraus mit Label-Druck
  • Mehrere Versanddienste parallel über Shipcloud, Sendcloud oder Billbee (je nach ERP)
  • Retouren-Label automatisch generieren ab einem bestimmten Bestellvolumen
  • Pickware (Shopware-Pickware) als spezialisierte Alternative, wenn Shopware Hauptsystem bleibt

Realistischer Einrichtungs-Aufwand für ein sauberes Lager-Versand-Setup:

  • xentral mit DHL, ohne Multi-Lager: 5 bis 10 Tage
  • xentral mit Multi-Lager und 2 Versanddienstleistern: 15 bis 25 Tage
  • tricoma Multi-Channel mit Großhandel: 20 bis 40 Tage je nach Komplexität
  • Atamya mit PIM-Migration aus bestehendem System: 30 bis 60 Tage

Betreuung für xentral und Shop-Schnittstellen


Multi-Channel: Wenn der Shop nicht alleine ist

Wer auf mehr als einem Kanal verkauft, braucht ein ERP, das diese Komplexität abbildet. Sonst landet die Logik in deinem Kopf, und der Kopf macht Urlaub.

Typische Channels:

  • Eigener Shop (Shopware, Shopify, Atamya)
  • Amazon (DE, AT, weitere Länder)
  • eBay
  • Otto, Kaufland, Real, Idealo
  • Stationärer Handel mit Kasse
  • B2B-Direktbestellungen per E-Mail oder Telefon

Was die ERP-Anbindung leisten muss:

  • Zentrale Artikelpflege, die in alle Channels publiziert
  • Channel-spezifische Felder (Amazon-spezifische Titel, eBay-Kategorien, Otto-Pflichtfelder)
  • Bestände, die kanalübergreifend gepflegt werden, ohne Überverkauf
  • Bestellungen aus allen Channels im selben System abwickeln
  • Konsolidiertes Reporting

Welche Systeme sich hier in der Praxis bewähren:

  • tricoma hat den klarsten Multi-Channel-Fokus und ist dort traditionell stark
  • Atamya überzeugt mit Channel-spezifischer PIM-Pflege
  • xentral deckt Multi-Channel mit Erweiterungen und Plugins, ist aber stärker im Single-Channel-Fokus

Wenn Multi-Channel von Anfang an Pflicht ist, würden wir tricoma oder Atamya gegen xentral abwägen. Wenn Multi-Channel später dazukommen kann, ist xentral der pragmatische Einstieg.


Migration aus Excel, Lexware oder anderen Tools

Viele Shop-Betreiber starten ihr ERP-Projekt aus einem konkreten Schmerz: Excel reicht nicht mehr, Lexware ist überfordert, oder das alte ERP wird nicht mehr unterstützt. Eine saubere Migration ist Projektarbeit, kein Knopfdruck.

Phase 1: Inventur (1 bis 2 Wochen)

  • Welche Daten existieren, in welcher Qualität?
  • Welche Prozesse laufen heute über das Alt-System?
  • Wer arbeitet damit, was sind die täglichen Schmerzen?
  • Was muss zwingend migriert werden, was kann neu aufgesetzt werden?

Phase 2: Daten-Aufbereitung (2 bis 6 Wochen)

  • Artikel-Stammdaten exportieren und bereinigen (gerade in Excel: viele Dubletten, inkonsistente Schreibweisen)
  • Kunden-Stammdaten DSGVO-konform übertragen
  • Lieferanten-Daten aufräumen
  • Steuersätze, Versandgruppen, Zahlungsarten neu strukturieren

Phase 3: Pilot-Konfiguration im neuen ERP (4 bis 8 Wochen)

  • Standard-Setup im neuen ERP (xentral, tricoma oder Atamya)
  • Test-Import mit Auszug der Daten
  • Schnittstelle zu Shop, Marktplätzen, Versand einrichten
  • Erste Test-Bestellungen durchspielen

Phase 4: Schulung und Soft-Launch (2 bis 4 Wochen)

  • Mitarbeiter werden geschult
  • Parallel-Betrieb von Alt und Neu für definierten Zeitraum
  • Bestellungen im neuen System abwickeln, Alt-System dient als Referenz

Phase 5: Hard-Cut (1 Tag bis 1 Woche)

  • Endgültige Daten-Migration mit Stichtag
  • Schnittstellen werden scharf geschaltet
  • Alt-System wird in Read-Only-Modus oder Archiv überführt

Phase 6: Hypercare (4 bis 12 Wochen)

  • Tägliche Fehler-Sichtung in den ersten 14 Tagen
  • Anpassungen für Sonderfälle, die im Test nicht aufgefallen sind
  • Reporting-Anpassungen
  • Wissens-Aufbau im Team

Realistischer Gesamtzeitraum: Eine Migration von Excel oder Lexware auf xentral dauert für einen typischen Mittelstands-Shop 3 bis 6 Monate. Wer „in 4 Wochen” verspricht, hat es entweder nicht verstanden oder verschiebt die Arbeit auf nach Go-Live.

In unserer Praxis ist der häufigste Migrations-Fehler: Daten werden 1:1 übernommen, statt aufgeräumt. Wer 8 Jahre Excel-Chaos ins ERP migriert, hat dort dann 8 Jahre Excel-Chaos. Die Migration ist die beste Gelegenheit für eine Stammdaten-Pflege. Nutze sie.


Häufige Fehler in der ERP-Einführung

Aus Hunderten ERP-Projekten und unzähligen Wartungs-Übernahmen die typischen Stolperfallen:

  1. System wird gewählt, weil ein Freund es empfohlen hat. Empfehlung ist kein Auswahl-Kriterium.
  2. Schnittstelle ist beauftragt, bevor das Datenmodell steht. Ohne Master-Strategie wird das ein Lotto-Spiel.
  3. Stammdaten werden 1:1 migriert. Alt-Müll wird zu Neu-Müll.
  4. Mitarbeiter werden nicht eingebunden. Wer die Prozesse nicht kennt, baut sie technisch falsch ab.
  5. Hypercare-Phase wird unterschätzt. Nach Go-Live „läuft halt”, dann brennt es zwei Wochen später.
  6. Berater ohne E-Commerce-Erfahrung. Ein guter ERP-Berater kennt Shopware oder Shopify mindestens grob, sonst entstehen Schnittstellen-Lücken.
  7. Multi-Channel wird vergessen. Wer in 12 Monaten Amazon dazu nimmt, hätte das jetzt mitdenken müssen.
  8. Keine Notfall-Strategie. Was passiert, wenn die Schnittstelle 4 Stunden steht? Wenn niemand das vorher gedacht hat, hat man dann ein Problem.
  9. Logging ist „best effort”. Im Fehlerfall fehlen die Spuren, um Probleme zu rekonstruieren.
  10. ERP soll alles können. Shop, CRM, Marketing, Buchhaltung, alles im ERP. Wir haben noch kein Setup gesehen, das so gut funktioniert wie eine klare Trennung der Verantwortlichkeiten.

Jeder dieser Fehler ist einzeln vermeidbar. Die Summe macht den Unterschied zwischen einem ERP, das den Betrieb trägt, und einem, das zur Last wird.

xentral-Onboarding mit klarem Plan

Als xentral Bronze Partner setzen wir das ERP sauber auf, mit Shop-Anbindung, Stammdaten-Strategie und Hypercare-Phase. Festpreis nach Discovery, kein Stundenzettel.


Wartung und Weiterentwicklung nach dem Go-Live

Ein ERP ist kein Möbelstück, das man einmal aufstellt und dann stehen lässt. Es lebt mit deinem Geschäft. Nach dem Go-Live geht die eigentliche Arbeit los.

Was zur laufenden ERP-Pflege gehört:

  • Updates und Patches des ERP-Systems
  • Schnittstellen-Monitoring für Shop, Marktplätze, Versand, Buchhaltung
  • Stammdaten-Hygiene (Dubletten, Inkonsistenzen, veraltete Artikel)
  • Process-Reviews quartalsweise: Was läuft gut, wo bremst etwas?
  • Reporting-Anpassungen, wenn neue Auswertungen gebraucht werden
  • Neue Channels anbinden, wenn das Geschäft wächst
  • Schulung neuer Mitarbeiter, wenn das Team wächst

Wer macht die Wartung:

  • Intern, wenn ein dedizierter ERP-Verantwortlicher mit Zeit existiert
  • Mit ERP-Implementierungs-Partner als kontinuierliche Begleitung
  • Mit Agentur, die Shop und ERP gemeinsam betreut (unser Modell)

Die teuerste Variante ist die, die zwischen den Stühlen liegt: ERP-Partner kennt den Shop nicht, Shop-Agentur kennt das ERP nicht, jeder schiebt Verantwortung zum anderen. Wir empfehlen, einen Partner zu haben, der beide Seiten kennt.

Dauerbetreuung für xentral inkl. Shop-Anbindung


Quick-Check: Bist du ERP-reif?

Beantworte diese sechs Fragen ehrlich. Wenn du bei drei oder mehr Punkten ja sagst, ist dein ERP-Projekt überfällig.

  1. Hast du in den letzten 30 Tagen Überblick über deine Bestände verloren?
  2. Verbringst du mehr Zeit mit Excel als mit deinem Tagesgeschäft?
  3. Hast du in den letzten 90 Tagen Artikel überverkauft?
  4. Arbeitest du mit mehr als einem System für Bestände (Shop, Excel, Buchhaltung)?
  5. Hast du in den letzten 6 Monaten neue Mitarbeiter eingestellt, weil die Prozesse manuell sind?
  6. Planst du in den nächsten 12 Monaten einen weiteren Verkaufskanal?

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Fazit: ERP ist die Wahrheit hinter dem Shop

Dein Shop ist die Bühne. Das ERP ist die Bühnentechnik dahinter. Ohne saubere Bühnentechnik ist die beste Bühne ein Risiko.

Wer ein ERP einführt, kauft sich keine Software, sondern eine neue Arbeitsweise. Die Software ist 30 Prozent des Erfolgs. Stammdaten-Strategie, Prozesse, Schulung und Wartung sind die anderen 70 Prozent.

Wir sehen in der Wartung regelmäßig ERPs, die technisch gut sind, aber falsch betrieben werden. Und ebenso ERPs, die einfacher sind, aber sauber laufen, weil die Disziplin im Alltag stimmt. Wähle das System, das zu deinem Geschäft passt, und plane den Betrieb von Tag 1.

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