Zum Inhalt springen
Zurück zur Übersicht
Shopware

Shopware 6 vs. Shopify Plus für DACH-B2B: ehrlicher Vergleich aus der Praxis

BuI Hinsche 6 Min. Lesezeit
Shopware 6 vs. Shopify Plus für DACH-B2B: ehrlicher Vergleich aus der Praxis

Wir bekommen die Frage in jedem zweiten Erstgespräch im B2B-Mittelstand: „Sollen wir auf Shopware 6 oder Shopify Plus setzen?”. Beide Plattformen können B2B. Beide haben treue Communities, Premium-Partner-Programme und eine wachsende App- bzw. Plugin-Landschaft. Trotzdem führen sie B2B-Händler in DACH zu sehr unterschiedlichen Setups, mit sehr unterschiedlichen Folgekosten.

Dieser Vergleich ist aus der Praxis, nicht aus einem Marketing-Datenblatt. Wir haben Händler aus beiden Welten betreut, B2B-Migrations in beide Richtungen begleitet und kennen die Stellen, an denen es klemmt.

Kurzes Bild beider Plattformen

Shopware 6 ist eine Open-Source-Plattform deutscher Herkunft, ursprünglich für den DACH-Markt gedacht. Self-Hosted oder Cloud, modular über das Plugin-System erweiterbar. B2B-Suite ist optional verfügbar (Shopware B2B Components), kommt aber als zusätzliches Modul.

Shopify Plus ist die Enterprise-Variante von Shopify, ein Cloud-only SaaS aus Kanada. B2B ist seit 2022 als „B2B on Shopify” nativ verfügbar (kein Drittanbieter-App-Stack mehr nötig). Internationaler Fokus, USA und EU als Hauptmärkte.

Beide Systeme sind keine Tauschware. Die Wahl entscheidet, was über fünf Jahre im Stack passiert.

Vergleich entlang der Praxis-Kriterien

B2B-Kernfunktionen

Shopware 6 mit B2B Components:

  • Kundenspezifische Preise, Staffelpreise, Preisgruppen, Mindestmengen, Stücklisten.
  • Customer-Hierarchien, Approval-Workflows, Quote-Workflows, Auftrags-Listen.
  • Self-Service-Bereiche für eingeloggte Geschäftskunden mit eigenen Rechnungs- und Lieferadressen.
  • Customizing geht tief, weil das System Open-Source ist. Du kannst jede Logik anpassen, wenn du willst.

Shopify Plus mit B2B on Shopify:

  • Kundenspezifische Preislisten (Catalogs), Mengenrabatte, Net-Payment-Terms, Quick-Order.
  • Companies und Buyers mit Approval-Logik, mehrere Locations pro Company.
  • Customer Accounts neu mit B2B-spezifischer UX.
  • Customizing ist begrenzt durch das, was Shopify in der Liquid-Layer plus Admin API freigibt. Tiefe Anpassungen brauchen Workarounds.

Praxis-Eindruck: Bei Standard-B2B (Kundenpreise, Mengenrabatte, Approval) sind beide Plattformen nutzbar. Sobald deine Logik exotisch wird (Stücklisten mit Konfiguratoren, abhängige Preisformeln, kundenspezifische Steuern, branchenspezifische Versandlogik), zieht Shopware deutlich, weil du Code schreiben kannst. Shopify zwingt dich zum Workaround mit Custom-Apps.

DACH-Spezifika

Shopware 6:

  • Made for DACH. DSGVO-konform out of the box, deutsche Rechtstexte, deutsche Steuerlogik, Pflichtangaben, Cookie-Consent.
  • Versanddienstleister-Integrationen für DHL, GLS, DPD sind Standard im Plugin-Store.
  • DATEV-Schnittstelle ist ein etabliertes Drittanbieter-Plugin.
  • Rechnungen, Mahnungen, EU-Steuerlogik (OSS) sind im B2B-Standard abgebildet.

Shopify Plus:

  • Wird internationaler vermarktet, DACH ist seit 2022 stärker im Fokus (deutsches B2B-Onboarding-Team).
  • DSGVO ist möglich, aber du musst aktiv Apps konfigurieren (Cookie-Consent, AVV, Server-Standorte). Default ist USA.
  • Versanddienstleister: deutsche Carrier sind über Apps integrierbar, Standard ist USPS/UPS.
  • DATEV gibt es nur als Drittanbieter-App, oft mit Eigenbau-Logik kombiniert.
  • B2B-Rechnungen mit deutschem Pflichtumfang sind möglich, aber Detail-Logik (z.B. korrekte Stornorechnungen, Gutschriften) braucht oft eine zusätzliche App oder Custom-App.

Praxis-Eindruck: Im DACH-B2B kostet Shopify Plus mehr Aufmerksamkeit für Compliance-Themen. Shopware ist für DACH gebaut, Shopify ist für DACH adaptiert.

Pricing-Modell und Total Cost of Ownership

Shopware 6 Plans:

  • Community Edition: kostenlos, Self-Hosted, ohne Hersteller-Support.
  • Rise: ab ca. 600 € pro Monat (rund 7.200 € pro Jahr), plus Hosting, plus Plugin-Lizenzen.
  • Evolve und Beyond: skalierende Plans mit zusätzlichen Modulen.

Shopware passt Pläne und Preise regelmäßig an. Die genannten Beträge sind Richtwerte (Stand Mai 2026), die aktuell gültigen Konditionen prüfst du am besten direkt bei Shopware.

  • B2B Components als Add-On.
  • Hosting separat (Maxcluster, Profihost, Cloud, eigener Server) ab 100 € bis mehrere Tausend pro Monat.
  • Plugin-Lizenzen, je nach Plugin-Stack zwischen 50 € und 500 € pro Monat.

Shopify Plus:

  • Ab ca. 2.300 USD pro Monat, je nach Volumen umsatzabhängige Aufschläge.
  • Transaction-Fees, falls du nicht Shopify Payments verwendest.
  • Apps zusätzlich, oft im 50 bis 500 USD pro Monat-Bereich.
  • Hosting und Sicherheit inkludiert.
  • Keine Hosting-Sorgen, keine Wartung.

Praxis-Eindruck: Die einfache Aussage „Shopify ist teurer pro Monat” stimmt, ist aber nur die halbe Rechnung. Bei Shopware sparst du Lizenz, zahlst aber deutlich mehr für Hosting, Wartung, Updates. Realistische Total-Cost-of-Ownership liegt bei beiden Plattformen für mittelständische DACH-B2B-Händler im Bereich 30.000 bis 80.000 € pro Jahr, je nach Komplexität. Keine Plattform ist objektiv günstiger, sie verteilen Kosten anders.

Plugin- und App-Ökosystem

Shopware-Store (community.shopware.com/store):

  • Über 4.000 Plugins, viele für DACH-Spezifika (Versand, Steuern, Marktplätze).
  • Viele Eigenentwickler (wir sind selbst Premium Extension Partner mit über 80 Plugins).
  • Code-Reviews durch Shopware mindern Risiko schlechter Plugins.
  • Plugin-Qualität schwankt erheblich, Premium-Programm filtert die Spreu.

Shopify App Store:

  • Über 8.000 Apps, US-zentriert, mit zunehmender DACH-Verfügbarkeit.
  • Apps sind oft performanter, weil sie über klare APIs einbinden.
  • Update-Verträglichkeit ist meistens besser, weil Shopify-Plattform sich kompatibel hält.
  • B2B-spezifische Apps sind weniger zahlreich als Shopware-Plugins, aber qualitativ oft hochwertig.

Praxis-Eindruck: Plugin-Tiefe ist bei Shopware höher, App-Stabilität bei Shopify durchschnittlich besser. Shopware-Plugins können brechen bei Major-Updates (das ist unser Brot-und-Butter-Geschäft als Wartungs-Agentur). Shopify-Apps brechen seltener, aber wenn sie brechen, hast du weniger Hebel.

ERP- und Schnittstellen-Realität

Im B2B ist die Plattform nur die Spitze. Was zählt, ist das Zusammenspiel mit ERP, PIM, Versand, Buchhaltung.

Shopware 6: Etablierte Schnittstellen zu xentral, tricoma, Pickware, JTL, Sage, SAP. Die meisten Schnittstellen sind als Plugin verfügbar oder lassen sich über die Sync-API selbst bauen. Wir betreuen Setups mit fünf bis zehn aktiven Schnittstellen, ohne dass es im Alltag wackelt.

Shopify Plus: Schnittstellen über Webhooks, Admin API, Storefront API. Sehr saubere APIs, gut dokumentiert. xentral und tricoma haben Connectors, Pickware ist Shopware-only. SAP- und große ERP-Schnittstellen meistens über Middleware (Talend, n8n, Make, eigene Mittelschicht). Das funktioniert technisch sauber, kostet aber zusätzlich Architektur-Aufwand.

Hosting, Performance, Sicherheit

Shopware 6 Self-Hosted: Volle Kontrolle, volle Verantwortung. Hosting-Wahl entscheidet stark über Performance. Bei einem guten Hoster (Maxcluster, Profihost) sind Core Web Vitals exzellent möglich. Bei einem schlechten Setup wird der Shop trotz Premium-Plan langsam.

Shopware 6 Cloud: Hosting inklusive, weniger Tuning-Möglichkeit, Performance grundsolide.

Shopify Plus: Hosting, CDN, Sicherheit alles inklusive. Performance ist stabil hoch, weil Shopify als CDN-zentrierte Plattform gebaut ist. Du kannst Performance verschlechtern, indem du zu viele Apps mit Tracking-Skripts lädst, aber das passiert auch bei Shopware.

Entscheidungs-Heuristik

Hier eine schnelle Faustregel, mit der wir im Erstgespräch arbeiten:

Shopware 6 ist meistens die richtige Wahl, wenn:

  • Deine B2B-Logik eine Sonderlogik enthält, die du selbst kontrollieren willst (Stücklisten, Konfiguratoren, kundenspezifische Steuern).
  • Du im DACH-Raum bleibst und DSGVO/Compliance-Themen nicht zur App-Konfiguration werden sollen.
  • Du bereits ein xentral, tricoma oder Pickware im Einsatz hast und die enge Integration nutzen willst.
  • Du langfristig Eigenentwickler aufbauen oder mit einer Agentur arbeitest, die den Code mit dir teilt.

Shopify Plus ist meistens die richtige Wahl, wenn:

  • Du international ausbaust (USA, UK, mehrere Sprachen, mehrere Währungen).
  • Standard-B2B (Kundenpreise, Mengenrabatte, Approval) reicht und du keine exotische Logik brauchst.
  • Du keine eigene Hosting- und Wartungs-Last tragen willst und mit dem Plus-Pricing leben kannst.
  • Geschwindigkeit und Stabilität wichtiger sind als tiefe Customization-Tiefe.

Fazit, ehrlich

Es gibt keine objektiv bessere Plattform. Es gibt aber eine, die zu deinem Setup besser passt. Die häufigste Fehlentscheidung sehen wir bei Händlern, die Shopify wählen, weil es „einfacher” wirkt, dann aber bei jeder DACH-Spezialität in die Workaround-Schleife geraten. Die zweithäufigste sehen wir bei Händlern, die Shopware wählen, dann aber kein vernünftiges Wartungs-Setup aufbauen und nach 24 Monaten in der Ausfall-Spirale landen.

Die Plattform-Wahl ist nicht das größte Risiko. Das größte Risiko ist, sie ohne klare langfristige Pflege-Strategie zu treffen. Genau deshalb fragen wir im Erstgespräch nicht nur „welche Plattform”, sondern „wie sieht dein Stack in fünf Jahren aus”.

Wenn du gerade vor dieser Entscheidung stehst, sprich uns an. Wir machen einen unabhängigen Plattform-Check und sagen dir, was zu deinem konkreten B2B-Setup passt, auch wenn die Antwort am Ende eine Plattform ist, die wir gerade nicht selbst betreuen.

Kostenlos · 15 Punkte

Wie gesund ist dein Shop wirklich?

15-Punkte-Selbstcheck zu Updates, Sicherheit, Performance, SEO und Tracking. Sofort-Auswertung, ohne E-Mail-Anmeldung.

Shop-Health-Check starten

Shopify-Projekt im Kopf?

Wir setzen Shopify-Stores auf, integrieren ERP und passen Themes an, schnell, sauber und mit klarem Scope.

BuI Insights

Shopware- & xentral-Praxiswissen direkt ins Postfach

Plugin-Updates, Best Practices, Migrations-Tipps und Branchen-Cases. Ein Mal im Monat, nur das, was wirklich relevant ist. Jederzeit abbestellbar.

Mit dem Klick stimmst du zu, dass wir dir den Newsletter zusenden dürfen (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO). Mehr in der Datenschutzerklärung.