Staffelpreise im B2B-Shop richtig einrichten: Tutorial für Shopware 6
Im B2B-Shop sind Standardpreise selten die Antwort. Mengenrabatte, kundenspezifische Konditionen, Staffeln über mehrere Artikel hinweg, alles davon ist Pflicht. Shopware 6 bietet dafür Bordmittel, die für einfache Setups reichen. Sobald es komplexer wird, brauchst du die richtigen Plugins. Dieses Tutorial geht durch ein Standard-B2B-Setup mit den Plugins Kundenabhängige Artikelpreisgruppen und Staffelpreisgruppen.
Beispiel-Setup: ein Großhändler für Befestigungsmaterial mit drei Kundengruppen (Standard, Stammkunde, Großkunde) und Mengenstaffeln pro Artikel.
Schritt 1: Kundengruppen in Shopware anlegen
Im Admin unter Einstellungen → Shop → Kundengruppen drei Gruppen anlegen:
- Standard (Default-Gruppe für Neukunden)
- Stammkunde (manuell zugeordnet nach Qualifizierung)
- Großkunde (höchste Rabatt-Stufe, manuell freigegeben)
Jede Gruppe bekommt im Admin einen aussagekräftigen Namen. Die Standard-Gruppe ist die Default, in der jeder neu registrierte Kunde landet, bis er manuell oder automatisch in eine höhere Gruppe wandert.
Schritt 2: Kundenabhängige Preisgruppen aktivieren
Mit dem Plugin Kundenabhängige Artikelpreisgruppen installiert kannst du jeden Artikel oder eine Artikelliste mit unterschiedlichen Preisen pro Kundengruppe versehen.
Beispiel: Edelstahlschraube M6 × 30
- Standard-Preis: 0,28 €
- Stammkunde-Preis: 0,24 €
- Großkunde-Preis: 0,19 €
Im Admin findest du nach Plugin-Aktivierung im Produkt-Bearbeiten-Dialog einen neuen Reiter „Kundenabhängige Preise”. Dort gibst du pro Kundengruppe einen Preis ein. Das Plugin priorisiert: Wenn ein Kunde in mehreren Gruppen ist, gewinnt die mit dem niedrigsten Preis.
Stolperfalle: Steuern. Brutto- vs. Netto-Preise einheitlich pflegen, sonst zeigt der Frontend-Preis im B2B (netto) nicht das, was im Bestell-Workflow ankommt.
Schritt 3: Staffelpreisgruppen konfigurieren
Mengenrabatt ist im B2B die Norm. Mit dem Plugin Staffelpreisgruppen kannst du Mengen-Staffeln pro Kundengruppe und sogar gruppenübergreifende Sammelmengen definieren.
Beispiel-Staffel für Edelstahlschraube M6 × 30 (Stammkunde-Preis):
- 1 bis 99 Stück: 0,24 €
- 100 bis 499 Stück: 0,21 €
- 500 bis 999 Stück: 0,18 €
- ab 1000 Stück: 0,15 €
Im Admin unter Konditionen → Staffelpreisgruppen legst du eine Gruppe an, gibst ihr einen Namen („Staffel Befestigungsmaterial”), definierst die Mengen-Stufen und ordnest die betroffenen Artikel zu.
Highlight des Plugins: Die Möglichkeit, mehrere Artikel zur selben Staffel zusammenzufassen. Wenn ein Kunde 200 Stück Schraube M6 × 30 plus 300 Stück Schraube M6 × 40 in den Warenkorb legt, kann das Plugin die Gesamtmenge (500) als Basis für die Staffel zugrundelegen.
Schritt 4: Sortiments-Verteilung sauber strukturieren
Bevor du jeden Artikel einzeln pflegst, lohnt sich ein Review der Sortimentsstruktur:
- Welche Artikel teilen sich dieselbe Staffel? (gruppieren)
- Welche Artikel haben Sonderkonditionen, die nicht in die Standard-Staffel passen? (separat pflegen)
- Welche Kunden haben individuelle Preise, die nicht in eine Gruppe fallen? (Einzelfall-Pflege oder eigene Kundengruppe pro Kunde)
In B2B-Shops mit zehntausenden Artikeln ist die Pflege per Hand nicht skalierbar. Hier kommt der Import-Export-Workflow ins Spiel: Preisgruppen lassen sich per CSV importieren, das spart Stunden gegen Klick-Pflege.
Schritt 5: ERP-Übergabe sicherstellen
Im B2B ist Shopware selten die Preisquelle der Wahrheit. Meistens kommen die Preise aus xentral, tricoma oder Pickware. Drei Setup-Varianten:
Variante A: Shopware ist die Wahrheit, ERP nimmt Preise entgegen. Sinnvoll bei kleinen B2B-Shops oder wenn das ERP nur Auftrags-Verarbeitung macht. Plugin-Konfiguration in Shopware, ERP übernimmt die Preise aus dem Bestell-Datensatz.
Variante B: ERP ist die Wahrheit, Shopware synchronisiert. Üblich bei größeren B2B-Shops mit komplexen Konditionen. Im ERP gepflegte Preisgruppen werden per Schnittstelle nach Shopware gepusht. Shopware-Plugin dient nur als Anzeige-Schicht.
Variante C: Hybrid mit Live-Preisabfrage. Bei sehr großen Sortimenten holt Shopware die Preise im Checkout per API-Call live aus dem ERP. Komplex, aber bei tausendseitigen Konditionen die einzige saubere Lösung.
Für die meisten mittelständischen B2B-Shops ist Variante B die richtige Wahl.
Schritt 6: Frontend-Validierung
Nach Setup im Frontend testen:
- Eingeloggt als Stammkunde, Artikel anschauen → Preis stimmt mit der Konfiguration überein.
- 200 Stück in den Warenkorb → Staffelpreis greift, sichtbar im Warenkorb-Detail.
- Mehrere Artikel mit derselben Staffel → Sammelmenge greift korrekt.
- Bestellbestätigungs-Mail enthält die korrekten Konditionen.
- ERP-Datensatz nach Bestellung enthält die richtigen Preise.
Wenn einer der Punkte schiefgeht, ist meistens entweder das Steuer-Setup falsch konfiguriert oder die Schnittstelle übergibt nicht alle Felder.
Drei häufige Fehler aus echten Setups
1. Steuer-Mismatch zwischen Plugin und Shop. Plugin-Preise sind brutto, Shop-System auf netto konfiguriert. Frontend zeigt verschobene Preise. Lösung: Plugin-Konfiguration mit Shopware-Steuer-Setup abgleichen, am besten vor dem ersten Live-Test.
2. Vergessene Default-Kundengruppe. Plugin-Preise greifen nur für definierte Gruppen. Wer die Default-Gruppe vergisst, sieht beim ersten Neukunden plötzlich keine Preise oder die alten Standardpreise. Lösung: Standard-Gruppe immer mitpflegen.
3. ERP-Sync auf älterem Stand. Preise im Shop sind aktuell, im ERP ein Tag alt. Beim Bestelleingang stehen unterschiedliche Werte gegenüber, der Workflow schluckt manuelle Korrekturen. Lösung: Sync-Frequenz erhöhen oder Variante C (Live-Preisabfrage) prüfen.
Wann eine Eigenentwicklung sinnvoller ist
Standard-Plugins reichen für die meisten B2B-Shops bis ungefähr 50.000 Artikel mit drei bis fünf Kundengruppen. Bei sehr komplexen Setups (zum Beispiel kundenspezifische Preisformeln mit Berechnungs-Logik aus dem ERP, Brand-spezifische Staffeln, Auftrags-individuelle Konditionen) lohnt sich eine individuelle Plugin-Erweiterung.
Wenn du das nicht selbst pflegen willst
B2B-Pricing-Setups sind nicht zum Einrichten und Vergessen. Plugin-Updates, Schnittstellen-Pflege, neue Kundengruppen, Sortiments-Anpassungen sind laufende Aufgaben. Wir betreuen B2B-Shops dauerhaft im Rahmen unserer Shop-Betreuung. Wer gerade wissen will, wo sein aktuelles B2B-Setup steht, findet im Shop-Health-Check eine ehrliche 15-Punkte-Selbstdiagnose.
Was kostet dich Stillstand wirklich?
Vier Klicks: System, Umsatz, Bestellungen, Plugin-Anzahl. Stillstand-Schaden bei 24h Ausfall plus passende Betreuungs-Empfehlung.
Shopware-Projekt im Kopf?
Als Shopware Premium Extension Partner kennen wir die Plattform in der Tiefe. Verbindliches Angebot nach Erstgespräch.