Altersprüfung im Shopware-Shop: Pflicht, Lösungen und die Stolperfallen
Ein Händler rief uns an, weil eine Abmahnung im Briefkasten lag. Sein Shop verkaufte Spirituosen, und im Checkout stand eine Checkbox: „Ich bestätige, dass ich über 18 Jahre alt bin.” Er hatte gedacht, damit sei das Thema erledigt.
War es nicht. Und dieser Irrtum ist so verbreitet, dass er einen eigenen Beitrag verdient.
Vorweg, weil es hier besonders wichtig ist: Wir sind Entwickler, keine Rechtsanwälte. Dieser Beitrag beschreibt, wie sich Altersprüfung technisch sauber umsetzen lässt und wo die typischen Denkfehler liegen. Ob dein konkretes Sortiment welche Anforderung auslöst, klärst du mit einem Fachanwalt oder deinem Verband. Das ist keine Floskel, bei diesem Thema hängt Geld dran.
Was das Gesetz verlangt
Die Grundlage bilden die §§ 9 bis 12 des Jugendschutzgesetzes und der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Bestimmte Waren dürfen nicht an Minderjährige abgegeben werden, darunter Tabakwaren, Alkohol und jugendgefährdende Medien.
Interessant ist die Rechtslage beim Alkohol, weil das Jugendschutzgesetz den Versand- und Onlinehandel dort gar nicht ausdrücklich regelt. Geklärt hat das die Rechtsprechung. Das Landgericht Bochum entschied im Januar 2019, dass Betreiber von Onlineshops mit alkoholischen Getränken dafür sorgen müssen, dass diese Ware nicht bei Minderjährigen landet. Die Behördenpraxis geht denselben Weg.
Der Kern der Anforderung: Eine bloße Altersabfrage per Klick genügt nicht. Verlangt wird ein zuverlässiges Verfahren, das das Alter zweifelsfrei feststellt, und zwar sowohl im Bestellvorgang als auch bei der Zustellung.
Der zweite Teil dieses Satzes wird fast immer überlesen. Bei der Zustellung.
Altersprüfung: die drei Ebenen, die du technisch trennen musst
Hier liegt der eigentliche Denkfehler der meisten Shops. „Altersprüfung” ist keine Funktion, sondern drei verschiedene Dinge.
Ebene 1: Sichtbarkeit. Wer darf die Produkte überhaupt sehen? Bei jugendgefährdenden Inhalten ist das die eigentliche Anforderung, denn schon die Darstellung soll Minderjährige nicht erreichen. Technisch bedeutet das, Kategorien und Artikel abhängig von einer Alterserklärung auszublenden.
Ebene 2: Bestellprozess. Wer darf bestellen und bezahlen? Hier greifen Verfahren, die tatsächlich eine Identität prüfen, etwa über Ausweisdaten, Bankidentifikation oder spezialisierte Dienstleister für Altersverifikation. Eine Checkbox ist auf dieser Ebene wirkungslos.
Ebene 3: Übergabe. Wer nimmt das Paket entgegen? Diese Ebene löst kein Shopsystem, sondern der Versanddienstleister. Die großen Anbieter haben dafür Zustellverfahren mit Ausweiskontrolle im Programm. Wenn dein Sortiment eine echte Altersprüfung erfordert, musst du diesen Service buchen und die Mehrkosten einkalkulieren.
Wer nur Ebene 1 umsetzt und glaubt, damit sei alles erledigt, hat das Problem nur schöner verpackt.
Warum der Klick allein nicht reicht
Die Logik dahinter ist simpel. Ein Klick auf „Ja, ich bin über 18” ist eine Selbstauskunft. Sie lässt sich von jedem Vierzehnjährigen genauso setzen wie von einem Erwachsenen, und der Shop hat keinerlei Möglichkeit, das zu unterscheiden.
Das heißt nicht, dass die Abfrage nutzlos ist. Für die Sichtbarkeitsebene ist sie ein etabliertes und sinnvolles Mittel, gerade wenn es darum geht, dass bestimmte Inhalte nicht ungefragt jedem angezeigt werden. Sie ist nur eben keine Altersverifikation im rechtlichen Sinn.
Der Unterschied in einem Satz: Selbstauskunft steuert, was jemand sieht. Verifikation entscheidet, ob jemand kaufen darf.
Was unser Plugin macht und was es nicht macht
Wir haben für Shopware ein Plugin namens Altersprüfung gebaut, aktuell 9,97 Euro im Monat oder 95 Euro im Jahr, kompatibel von Shopware 6.6.0.0 bis 6.7.10.1.
Was es tut: Beim Betreten des Shops wird der Besucher gefragt, ob er älter oder jünger als ein von dir festgelegtes Alter ist. Je nach Antwort werden die betroffenen Kategorien und Artikel ausgeblendet, sodass sie weder sichtbar noch bestellbar sind. Das ist eine saubere Lösung für Ebene 1.
Was es nicht tut, und das sagen wir bewusst deutlich: Es prüft keine Ausweise und ersetzt keine Altersverifikation. Wenn du Alkohol, Tabak oder vergleichbar regulierte Ware verkaufst, brauchst du zusätzlich ein Verifikationsverfahren im Bestellprozess und eine Zustellart mit Alterskontrolle. Unser Plugin ist der erste Baustein, nicht die Komplettlösung.
Wer dir ein Plugin für zehn Euro im Monat als vollständige Rechtssicherheit für Alkoholversand verkauft, sagt dir nicht die Wahrheit.
Die häufigsten Stolperfallen
Die Abfrage nur im Checkout. Wenn Ebene 1 dein Ziel ist, kommt die Abfrage zu spät, wenn der Nutzer die Artikel längst gesehen hat.
Vergessene Nebenkanäle. Suchergebnisse, Sitemap, Feeds für Preisportale, Newsletter. Wir sehen regelmäßig Shops, die im Frontend sauber ausblenden und deren gesperrte Artikel trotzdem über die Produktsuche oder den Google-Shopping-Feed erreichbar sind.
Caching. Eine Altersabfrage, die den HTTP-Cache aushebelt, macht deinen Shop langsam. Eine, die falsch gecacht wird, zeigt dem Falschen die falschen Inhalte. Dieser Punkt gehört bei jeder Umsetzung getestet.
Die Kombination mit anderen Erweiterungen. Alles, was in die Sichtbarkeit von Kategorien eingreift, kann sich in die Quere kommen. Unser Plugin ist zum Beispiel derzeit nicht mit unserem Kundengruppen-Popup kompatibel, und das steht so auch in der Beschreibung. Prüf solche Hinweise vor dem Kauf, nicht danach.
Fehlende Dokumentation. Wenn eine Behörde fragt, wie dein Verfahren funktioniert, willst du das beantworten können. Halt schriftlich fest, welche Maßnahme auf welcher Ebene greift.
Wenn du unsicher bist, welche Ebenen dein Sortiment überhaupt auslöst, ist die Reihenfolge: erst rechtlich klären lassen, dann technisch umsetzen. Wir schauen uns danach gerne an, wie sich das in deinem Shop sauber abbilden lässt, und wenn dafür ein anderes Plugin oder eine individuell entwickelte Lösung besser passt, sagen wir dir das auch.
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