Cross-Selling und Produktempfehlungen in Shopware
Wie du in Shopware 6 Cross-Selling einrichtest, dynamische Produktgruppen nutzt und Produktempfehlungen gezielt für mehr Warenkorbwert einsetzt.
Cross-Selling gehört zu den wirksamsten Hebeln für einen höheren Warenkorbwert, wird aber in vielen Shops halbherzig umgesetzt. Shopware 6 liefert dafür ein solides Fundament direkt im System, das du ohne Plugin sinnvoll nutzen kannst. Allerdings entscheidet nicht die Technik, sondern die inhaltliche Logik dahinter, ob die Empfehlungen wirklich klicken.
Was Cross-Selling in Shopware bedeutet
Cross-Selling zeigt Kunden passende Ergänzungsprodukte zur aktuell betrachteten oder in den Warenkorb gelegten Ware. Das Ziel ist nicht, den Kunden abzulenken, sondern ihm echten Mehrwert zu bieten: das Netzteil zum Laptop, die Pflegeserie zur Badewanne, die passende Schutzhülle zum Messer.
Shopware unterscheidet intern nicht streng zwischen Cross-Selling und Upselling, sondern bietet ein gemeinsames Empfehlungssystem für Produktdetailseiten und den Warenkorb. Wie du es einsetzt, liegt bei dir.
Die zwei Wege zu Produktempfehlungen in Shopware 6
Shopware 6 bietet pro Produkt zwei Varianten, Empfehlungen zu hinterlegen.
Manuelle Zuweisung ist der unkomplizierte Einstieg. Du öffnest ein Produkt in der Administration, wechselst zum Tab „Cross-Selling” und weist dort eine Produktliste direkt zu. Du vergibst einen Namen (der auf der Storefront als Überschrift erscheint), wählst den Typ „Produktliste” und suchst die gewünschten Artikel aus. Das ist schnell gemacht, aber bei einem Sortiment mit Hunderten oder Tausenden Produkten nicht wartbar.
Dynamische Produktgruppen skalieren das ganze erheblich. Statt einzelner Produkte hinterlegst du eine Regelsammlung. Shopware bestimmt daraus automatisch, welche Artikel in die Empfehlung aufgenommen werden. Beispiel: zeige alle Produkte desselben Herstellers, die weniger als 50 Euro kosten und noch auf Lager sind. Ändert sich das Sortiment, aktualisiert sich die Empfehlung selbst.
Dynamische Produktgruppen und der Rule Builder
Dynamische Produktgruppen bauen auf dem Shopware Rule Builder auf. Der Rule Builder kennt Bedingungen zu Produkteigenschaften, Kategorien, Herstellern, Preisen, Tags, Lagerbestand und mehr. Du verknüpfst diese Bedingungen mit UND oder ODER und legst damit fest, welche Produkte in die Gruppe fallen.
Das gibt dir eine Menge Spielraum:
- Zeige zum aktuellen Produkt alle anderen Artikel derselben Kategorie unter einem bestimmten Preisniveau.
- Empfehle bei einem Produkt mit dem Tag „Pflegeset” automatisch alle Artikel mit dem Tag „Refill”.
- Filtere auf Produkte mit einem bestimmten Custom Field, zum Beispiel einem Kompatibilitätsmerkmal.
Wichtig: Dynamische Produktgruppen werden beim Laden der Seite ausgewertet. Bei sehr komplexen Regeln und großen Sortimenten kann das die Performance belasten. Wenn du viele dynamische Gruppen gleichzeitig einsetzt, lohnt es sich, die Abfragen in der Staging-Umgebung zu testen, bevor sie live gehen.
Product Bundles: neu seit Shopware 6.7.9.0
Seit Shopware 6.7.9.0 (April 2026) gibt es native Product Bundles, allerdings im sogenannten Blueprint-Status mit zunächst minimalem Funktionsumfang und nur ab dem kommerziellen Evolve-Plan, nicht in der Community Edition. Du kannst damit kuratierte Sets direkt im Shop anlegen, also Produkte, die gemeinsam zu einem Paketpreis angeboten werden. Das Feature ist noch in der Entwicklung, prüfe vor dem Einsatz also, ob der aktuelle Stand deine Anforderungen abdeckt. Bundles sind eine Ergänzung zu Cross-Selling, kein Ersatz. Bundles sind kaufbare Einheiten, Cross-Selling-Empfehlungen hingegen sind Hinweise auf einzelne Zusatzprodukte.
Für viele Händler ergibt die Kombination aus beidem Sinn: ein Bundle als günstiges Starter-Set auf der Detailseite, und darunter Cross-Selling-Empfehlungen für Verbrauchsartikel oder Upgrades.
Wo Empfehlungen angezeigt werden
In der Standard-Storefront erscheinen Cross-Selling-Empfehlungen auf der Produktdetailseite, unterhalb der Produktbeschreibung. Mehrere Cross-Selling-Sets werden als Tabs dargestellt, du kannst also gleichzeitig „Wird oft zusammen gekauft” und „Ähnliche Produkte” anzeigen.
Cross-Selling im Warenkorb gehört nicht zum Shopware-Core, wird aber von einer Reihe von Plugins abgedeckt. Der Warenkorb ist ein besonders wertvoller Moment, weil die Kaufintention bereits klar ist. Gerade bei Verbrauchsartikeln oder Zubehör mit niedrigem Preis sind die Konversionsraten dort oft höher als auf der Detailseite.
Die Shopware Erlebniswelten bieten noch einen weiteren Einsatzort: du kannst Produktlisten-Elemente auf Landingpages platzieren und dort gezielt empfohlene Produkte inszenieren, ohne an eine Detailseite gebunden zu sein.
Typische Fehler beim Cross-Selling-Aufbau
In der Praxis sehen wir immer wieder dieselben Muster, die Cross-Selling wirkungslos machen.
Irrelevante Empfehlungen. Wenn du zu einem Kindershirt drei weitere Kindershirts empfiehlst, bietest du keine Ergänzung, sondern eine Konkurrenz zum ursprünglichen Produkt. Echte Ergänzungslogik fragt: Was braucht der Kunde zusätzlich, wenn er dieses Produkt kauft?
Zu viele Sets gleichzeitig. Drei bis vier Cross-Selling-Tabs auf einer Detailseite führen dazu, dass Kunden keinen davon anklicken. Ein oder zwei klare Empfehlungssets funktionieren besser als ein voll bestücktes Tabmenü.
Empfehlungen ohne Pflege. Manuelle Cross-Selling-Listen veralten. Produkte werden abgekündigt, Bestände erschöpft. Wenn du manuelle Listen nutzt, brauchst du einen Pflegeprozess. Dynamische Produktgruppen lösen das automatisch, wenn du die Lagerbestand-Bedingung einbaust.
Fehlende Relevanz im B2B. Im B2B-Kontext hängt Relevanz oft an Kundengruppen oder Preislisten. Empfiehlst du einem Großhandelskunden ein Produkt, das er gar nicht zu seinem Konditionen kaufen kann, verlierst du Vertrauen statt Warenkorbwert zu gewinnen. Mit dem Rule Builder lässt sich das steuern.
Empfehlungen und SEO
Cross-Selling beeinflusst SEO nur indirekt. Interne Verlinkung zwischen Produkten über Empfehlungsmodule kann die Crawling-Tiefe verbessern und schwächer verlinkte Produkte besser erreichbar machen. Außerdem verlängern gut passende Empfehlungen die Verweildauer auf der Seite, was als positives Signal gilt.
Wer strukturierte Daten nutzt und Produktbeziehungen explizit im Markup auszeichnet, kann in einigen Fällen auch Rich Snippets für „Related items” erhalten. Das ist aber kein automatischer Vorteil in Shopware und hängt von der jeweiligen Schema.org-Implementierung ab.
Mehr dazu, wie du die organische Sichtbarkeit deines Shops ausbaust, erklärt der Artikel Shopware SEO: Die Grundlagen für bessere Rankings.
Häufige Fragen
Wie viele Cross-Selling-Sets kann ich pro Produkt anlegen?
Shopware setzt hier keine harte Obergrenze im Core. Technisch kannst du mehrere Sets anlegen. Praktisch empfehlen wir maximal zwei Sets pro Produkt, weil die Storefront diese als Tabs darstellt und zu viele Tabs die Aufmerksamkeit zerstreuen.
Funktioniert Cross-Selling auch für digitale Produkte?
Ja. Cross-Selling gilt für alle Produkttypen in Shopware, also auch für Downloads, Lizenzprodukte oder Dienste. Die Logik dahinter musst du anpassen. Bei Software-Downloads macht es zum Beispiel Sinn, passende Erweiterungslizenzen oder Support-Pakete zu empfehlen.
Kann ich Cross-Selling-Empfehlungen nach Kundengruppe steuern?
Mit dem Rule Builder indirekt, ja. Du kannst dynamische Produktgruppen so einschränken, dass sie nur Produkte einer bestimmten Kundengruppe zeigen, oder du kombinierst mehrere Cross-Selling-Sets, von denen jedes eine eigene Sichtbarkeitsregel trägt. Direkte Kundengruppen-Sichtbarkeit per Toggle gibt es im Core nicht, aber über Regeln ist das abbildbar.
Was bringt Cross-Selling wirklich in der Praxis?
Das hängt stark von der Kategorie und der Qualität der Empfehlungen ab. In Projekten mit sauber gepflegten, relevanten Cross-Selling-Sets sehen wir typischerweise einen Anstieg des durchschnittlichen Bestellwerts. Shops mit beliebig bestückten Empfehlungen sehen dagegen kaum einen Effekt. Die Technik setzt du in einer Stunde auf. Den Erkenntnisgewinn, welche Produkte tatsächlich zusammenpassen, brauchst du länger.
Weitere Schritte
Cross-Selling ist ein Baustein von mehreren, wenn es darum geht, Shopware konsequent auf Konversion auszurichten. Wer den Warenkorbwert dauerhaft steigern will, schaut sich auch Produktbundling, personalisierte Inhalte über die Erlebniswelten und gezielte Preisregeln über den Rule Builder an. Wenn du dabei Unterstützung brauchst, schau dir an, was unsere Shopware Conversion-Optimierung im Rahmen einer laufenden Betreuung leisten kann.
Shopware-Projekt oder Frage im Kopf?
Als Shopware Premium Extension Partner kennen wir die Plattform in der Tiefe. Lass uns ehrlich besprechen, was für dich sinnvoll ist.
Mehr aus dem Shopware Wiki
Shopware SEO: Die Grundlagen für bessere Rankings
Shopware bringt viele SEO-Features von Haus aus mit. Welche du aktiv konfigurieren musst und wo die häufigsten Fehler liegen, erfährst du hier.
Lesen Marketing & SEOShopware und Core Web Vitals: Ladezeit als Rankingfaktor
Core Web Vitals beeinflussen dein Google-Ranking direkt. Hier erfährst du, was die Metriken bedeuten und wie du sie in deinem Shopware-Shop konkret verbesserst.
Lesen Marketing & SEOStrukturierte Daten in Shopware: Rich Snippets nutzen
Wie du in Shopware 6 strukturierte Daten richtig einsetzt, damit Google Produkte, Bewertungen und Preise als Rich Snippets in den Suchergebnissen anzeigt.
Lesen