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Technik

Der Shopware Rule Builder: Regeln statt Programmierung

Mit dem Shopware Rule Builder steuerst du Preise, Versand und Inhalte per Bedingungen. Wie das System funktioniert und wann es an Grenzen stößt.

5 Min. Lesezeit

Der Rule Builder ist das stille Herzstück von Shopware 6. Während der Flow Builder Abläufe automatisiert, definiert der Rule Builder die Bedingungen, unter denen bestimmte Regeln gelten. Klingt technisch, ist es aber nicht zwingend. Wer versteht, wie Regeln in Shopware zusammenspielen, spart sich viele Umwege und manchmal auch teure Erweiterungen.

Was der Rule Builder eigentlich ist

Der Rule Builder ist Shopwares zentrales System zur Geschäftslogik ohne Code. Du formulierst Bedingungen aus dem Alltag, etwa „Kunde ist in Kundengruppe B2B” oder „Warenkorb enthält mehr als 10 Einheiten eines Produkts”, und Shopware wendet diese Regeln überall an, wo sie greifen sollen.

Das Besondere ist der Anwendungsbereich. Eine Regel in Shopware 6 ist kein isoliertes Element. Sie steuert gleichzeitig Preise, Versandkostenregeln, Zahlungsarten, Erlebniswelten und vieles mehr. Eine einzige Regel kannst du in mehreren Kontexten verwenden.

Wie Regeln aufgebaut sind

Eine Regel besteht aus Bedingungen, die du in der Administration unter „Regel & Konditionen” zusammenstellt. Shopware unterscheidet dabei drei Ebenentypen:

  • UND-Verknüpfung: Alle Bedingungen müssen zutreffen.
  • ODER-Verknüpfung: Mindestens eine Bedingung muss zutreffen.
  • NICHT-Verknüpfung: Die nachfolgende Bedingung darf nicht zutreffen.

Diese Bausteine lassen sich beliebig verschachteln. Du kannst eine Regel bauen, die greift, wenn ein Kunde aus Deutschland kommt UND entweder in einer bestimmten Kundengruppe ist ODER einen Mindestumsatz von 500 Euro in seiner Bestellhistorie hat.

Die verfügbaren Bedingungen decken viele Dimensionen ab: Kundendaten (Kundengruppe, Login-Status, Land, gespeicherte Adressen), Warenkorbinhalt (Gesamtwert, Produkte, Mengen, Kategorien), Datum und Uhrzeit, Sales Channel und sogar eigene Werte über Custom Fields. Plugins können weitere Bedingungen ergänzen.

Wo Regeln greifen: Die wichtigsten Anwendungsfelder

Preise und Rabatte

Am häufigsten begegnet dir der Rule Builder im Preisbereich. Kundengruppen und individuelle Preise in Shopware funktionieren direkt über Regeln. Du weist einem Preis eine oder mehrere Regeln zu, und Shopware zeigt den richtigen Preis zur richtigen Zeit für den richtigen Kunden.

Das gilt auch für Staffelpreise: Wenn ein Kunde mehr als 20 Einheiten in den Warenkorb legt, greift automatisch ein anderer Preis, ohne dass du eine separate Produktvariante anlegen musst.

Versandkostenregeln

Versand in Shopware ist ohne den Rule Builder kaum denkbar. Du steuerst darüber, welche Versandmethoden für welche Kunden, Länder, Warenkorbgewichte oder Warenkorbsummen angezeigt werden. Ein Beispiel: Kostenloser Versand ab 50 Euro Bestellwert, aber nur für Kunden aus Deutschland, die keinen Sperrgut-Artikel im Warenkorb haben.

Erlebniswelten und Inhalte

Der Rule Builder greift auch ins CMS. In den Erlebniswelten kannst du Blöcke und Sektionen an Regeln koppeln, sodass ein angemeldeter B2B-Kunde einen anderen Kategorie-Header sieht als ein Gast-Besucher. Das ist ohne Plugin möglich und wird in der Praxis noch unterschätzt.

Zahlungsarten

Welche Zahlungsmethoden einem Kunden angeboten werden, lässt sich ebenfalls über Regeln einschränken. Kauf auf Rechnung nur für verifizierte Bestandskunden oder Lastschrift nur ab einem Mindestumsatz sind klassische Fälle.

Praxisbeispiele aus Projekten

Aus unserer Arbeit mit Shopware-Shops kommen immer wieder ähnliche Anforderungen, die der Rule Builder gut löst:

  • Grosshandel mit Mindestbestellwert: Versandkostenfreie Lieferung ab 200 Euro, aber nur für eingeloggte Händler in der Kundengruppe „B2B”, nicht für Endkunden.
  • Saisonale Preisanpassungen: Zeitgesteuerte Regeln, die automatisch zu bestimmten Daten aktiv werden und danach wieder inaktiv sind, ohne manuelle Eingriffe.
  • Regionsbezogene Inhalte: Kunden aus Österreich sehen auf der Kategorieseite einen anderen Banner als Kunden aus Deutschland. Kein Template-Override, keine Programmierung, nur eine Regel.
  • Payment-Einschränkung für Neukunden: Rechnung erst nach der zweiten Bestellung, umgesetzt über eine Bedingung auf die Anzahl abgeschlossener Bestellungen.

All das lässt sich über die Administration einrichten. Wenn die Anforderung aber über das abbildbare hinausgeht, beispielsweise bei sehr komplexen Preismatrizen mit mehreren Variablen, ist ein Plugin die sauberere Lösung als ein verschachteltes Regelgestrüpp.

Grenzen und häufige Fehler

Der Rule Builder kann viel, hat aber Grenzen. Die wichtigsten:

Zu viele verschachtelte Regeln machen den Shop schwer wartbar. Wenn dein Shop 80 aktive Regeln hat und niemand mehr genau weiß, was welche Regel bewirkt, wird die nächste Preiskorrektur zum Ratespiel. Dokumentation und sprechende Namen für Regeln sind Pflicht.

Reihenfolge und Priorität. Wenn mehrere Preisregeln gleichzeitig greifen, bestimmt die Priorität, welche gewinnt. Das ist nicht immer intuitiv und führt gelegentlich zu unerwarteten Preisanzeigen im Frontend.

Keine Rechenlogik. Der Rule Builder kann prüfen, aber nicht rechnen. Wenn du einen Preis brauchst, der sich aus einer komplexen Formel ergibt, musst du das außerhalb des Rule Builders lösen, zum Beispiel über ein Plugin.

Nicht alles ist sofort sichtbar. Fehler in Regeln fallen oft erst auf, wenn ein Kunde etwas nicht bestellen kann oder einen falschen Preis sieht. Deshalb: Immer in einer Staging-Umgebung testen, nie direkt auf dem Live-Shop.

Häufige Fragen

Brauche ich für den Rule Builder besondere Programmierkenntnisse?

Nein. Der Rule Builder ist eine rein grafische Oberfläche in der Shopware-Administration. Du wählst Bedingungen aus Dropdowns, gibst Werte ein und speicherst. Komplexere Verschachtelungen setzen logisches Denken voraus, aber keinen Code. Eine kurze Einweisung über Shopware-Schulung reicht in den meisten Fällen aus.

Gilt der Rule Builder für alle Shopware-Editionen?

Der Rule Builder ist seit Shopware 6 Kernbestandteil und steht in allen Editionen zur Verfügung, also auch in der Community Edition ohne Lizenzkosten. Einige erweiterte Bedingungen, etwa für B2B-Features, sind an die entsprechenden Editionen geknüpft. Die grundlegenden Preis- und Versandregeln funktionieren aber unabhängig von der Edition.

Was passiert, wenn zwei Regeln gleichzeitig greifen?

Shopware löst Konflikte über eine Priorität, die du jeder Regel gibst. Die Regel mit dem höchsten Prioritätswert gewinnt. Bei Preisregeln gibt es außerdem die Option, den günstigsten oder den teuersten Preis zu wählen. Das Verhalten solltest du in jeder Konstellation einmal durchgetestet haben, bevor du live gehst.

Kann ich eigene Bedingungen ergänzen?

Ja, aber dafür brauchst du eine Plugin-Entwicklung. Shopware stellt seit Version 6 eine Schnittstelle bereit, über die Plugins eigene Rule-Conditions und Rule-Actions registrieren können. So lässt sich der Rule Builder auf spezifische Geschäftsanforderungen erweitern, die Shopware von Haus aus nicht kennt, etwa Bedingungen auf Basis externer Kundendaten aus einem ERP-System.

Weiterführende Unterstützung

Wer den Rule Builder konsequent nutzt, kommt an einem Punkt, wo ein gemeinsamer Blick von außen hilft. Sei es, weil die Regelstruktur gewachsen und unübersichtlich geworden ist, oder weil eine Anforderung die Bordmittel übersteigt. Im Rahmen unserer Shopware-Betreuung schauen wir uns bestehende Regelwerke an, räumen auf und entwickeln gezielt dort, wo der Standard nicht mehr reicht.

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