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Grundlagen

Verkaufskanäle (Sales Channels) in Shopware 6 erklärt

Sales Channels in Shopware 6 steuern, welche Produkte, Sprachen und Preise wo sichtbar sind. Lerne, wie du sie richtig konfigurierst.

6 Min. Lesezeit

Verkaufskanäle sind eines der zentralen Konzepte in Shopware 6 und gleichzeitig das, worüber viele Händler beim ersten Einrichten stolpern. Kurz gesagt: Ein Sales Channel ist die Schnittstelle zwischen deiner Administration und dem Ort, an dem Kunden deine Produkte sehen und kaufen. Ob klassischer Onlineshop, Headless-Frontend, Preisvergleichsportal oder stationäres Kassensystem, alles wird in Shopware über einen separaten Sales Channel abgebildet.

Was ein Sales Channel in Shopware 6 ist

In der Shopware-Administration findest du die Verkaufskanäle unter “Einstellungen”. Technisch gesehen ist jeder Sales Channel eine eigenständige Konfigurationseinheit mit eigenen Einstellungen für Sprache, Währung, Kundengruppen, Zahlungsarten, Versandmethoden, Domain und Kategorie-Navigation.

Das bedeutet: Wenn du mehrere Shops auf einer Shopware-Installation betreiben willst, etwa einen B2C-Shop und einen separaten B2B-Bereich mit abweichenden Preisen und Zahlungskonditionen, legst du dafür zwei Sales Channels an. Die Produktdaten liegen dabei gemeinsam im Katalog, du weist sie aber je Sales Channel gesondert zu. So kannst du ein und dasselbe Produkt in Shop A und Shop B verkaufen, mit unterschiedlichen Preisen, anderem Titel oder sogar unterschiedlicher Beschreibung.

Die vier Typen im Überblick

Shopware 6 bietet derzeit vier Sales-Channel-Typen an, die sich grundlegend unterscheiden.

Storefront ist der klassische Webshop mit Twig-basiertem Frontend, das Shopware direkt ausliefert. Dieser Typ eignet sich für die meisten Händler: Du bekommst ein fertig gerendertes HTML-Frontend, das über Themes anpassbar ist, und kannst Erlebniswelten sowie den Flow Builder ohne zusätzliche Entwicklung nutzen.

Headless (Store API) liefert ausschließlich eine API-Schnittstelle ohne eigenes Frontend. Der Storefront-Code läuft dann extern, zum Beispiel in einem Vue.js- oder Next.js-Projekt, das Daten über die Store API abruft. Dieser Ansatz gibt Entwicklern maximale Freiheit bei der Gestaltung, verlangt aber deutlich mehr Aufwand beim Aufbau und bei der Pflege des Frontends.

Produktvergleich ist ein spezieller Kanal für Preisvergleichsportale und Marktplatz-Feeds wie Google Shopping. Du konfigurierst dort Feldmappings und Exportformate. In der Praxis wird dieser Kanal häufig für Google Shopping Feeds genutzt, die du regelmäßig automatisiert exportierst.

POS (Point of Sale) verbindet Shopware mit einem stationären Kassensystem. Das ist relevant, wenn du neben dem Online-Geschäft auch ein Ladengeschäft betreibst und beide Kanäle auf demselben Warenbestand arbeiten sollen.

Konfiguration eines Storefront-Kanals

Beim Anlegen eines neuen Storefront-Sales-Channels durchläufst du im Wesentlichen diese Einstellungen:

  • Domain und Sprache: Jede Domain bekommt genau eine Sprache zugewiesen. Willst du einen mehrsprachigen Shop, brauchst du pro Sprache einen eigenen Domain-Eintrag innerhalb desselben Sales Channels.
  • Währung und Steuerberechnung: Du wählst Standard-Währung und zulässige Alternativen. Die Steuerberechnung (Brutto/Netto) wird ebenfalls hier gesteuert.
  • Kundengruppen: Welche Kundengruppen haben Zugang? Das ist der Hebel für klassische B2B-Zugangsbeschränkungen, bei denen der Shop nur nach Login sichtbar ist.
  • Navigation: Du weist dem Kanal eine Hauptnavigation zu, optional Footer-Navigation und Service-Navigation. Die Kategoriestruktur in deinem Katalog muss vorher entsprechend aufgebaut sein.
  • Zahlungsarten und Versandmethoden: Pro Sales Channel kannst du eine andere Auswahl aktivieren. So bietest du im B2B-Kanal Rechnung als Standard an, im B2C-Kanal aber nur PayPal und Kreditkarte.
  • Themes: Jeder Storefront-Kanal kann ein eigenes Theme nutzen. Zwei Shops, ein Shopware-System, zwei verschiedene Designs, das ist vollständig unterstützt.

Mehrere Sales Channels: Wann es sich lohnt

Viele Händler starten mit einem Sales Channel und kommen damit jahrelang gut aus. Komplexer wird es in diesen Szenarien:

Du betreibst einen Wholesale-Bereich zusätzlich zum Retail-Shop. Beide sollen eigene Preisstrukturen, eigene Zahlungsbedingungen und eigene Kategoriestrukturen haben. Ein zweiter Sales Channel ist hier die sauberere Lösung als alles über Kundengruppen-Preisregeln in einem einzigen Kanal zu steuern.

Du willst international expandieren und brauchst separate Domains mit eigener Sprache und eigener Währung, zum Beispiel einen deutschen Shop und einen österreichischen Shop mit leicht abweichendem Sortiment. Auch hier macht ein eigener Sales Channel Sinn, weil du Domain, Sprache, Währung und auch die steuerlichen Einstellungen sauber trennen kannst.

Du entwickelst ein Headless-Frontend für eine besonders performancekritische Storefront und willst die Daten über die Store API abrufen, ohne die klassische Twig-Storefront komplett zu ersetzen. Ein separater Headless-Sales-Channel neben dem bestehenden Storefront-Kanal ist dann der richtige Weg.

Was du vermeiden solltest: unbegrenzt viele Sales Channels anzulegen, weil es auf den ersten Blick praktisch wirkt. Jeder Kanal bedeutet Pflegeaufwand, zum Beispiel bei Updates, bei der Produktzuweisung und beim Testing. Wir sehen in der Praxis häufig, dass Händler sechs Sales Channels betreiben, aber nur drei wirklich nutzen. Das macht die Administration unübersichtlich.

Produktzuweisung und Sichtbarkeit

Ein Produkt ist nicht automatisch in allen Sales Channels sichtbar. Du musst es pro Kanal explizit freischalten. Das passiert im Produkt-Detail entweder manuell oder über einen automatisierten Prozess, etwa per Import oder über Regeln.

Gerade wenn du Shopware mit einem ERP wie xentral oder Pickware verbindest, musst du bei der Schnittstellenkonfiguration genau definieren, in welche Sales Channels neue Produkte automatisch eingestellt werden. Eine schlechte Konfiguration führt dazu, dass frisch importierte Artikel nirgendwo auftauchen, weil die Verkaufskanal-Zuweisung fehlt. Das ist ein klassischer Fehler, den wir bei Shopware-Betreuungskunden regelmäßig sehen und beheben.

Häufige Fragen

Kann ich für jeden Sales Channel andere Preise hinterlegen?

Ja. Shopware 6 erlaubt es, Preisregeln und Kundengruppen pro Sales Channel zu konfigurieren. Über den Rule Builder kannst du Preise auch an Sales-Channel-Bedingungen knüpfen, also zum Beispiel: “Wenn Sales Channel = B2B-Shop, dann zeige den Netto-Staffelpreis.” Das ist deutlich flexibler als in Shopware 5, erfordert aber ein klares Konzept, bevor du anfängst.

Was passiert, wenn ein Produkt keinem Sales Channel zugewiesen ist?

Es ist im Shop schlicht nicht sichtbar. Kein Fehler, kein Hinweis im Frontend, das Produkt existiert nur im Katalog. Das ist gewollt, weil so auch interne oder inaktive Artikel problemlos im System liegen können, ohne versehentlich im Shop zu erscheinen. In der Administration siehst du beim Produkt, welchen Kanälen es zugeordnet ist.

Brauche ich für mehrere Sprachen mehrere Sales Channels?

Nicht zwingend. Innerhalb eines Sales Channels kannst du mehrere Sprachen und Domains hinterlegen, was für die meisten mehrsprachigen Shops ausreicht. Separate Sales Channels für Sprachen sind nur dann sinnvoll, wenn du auch andere Einstellungen trennen willst, also zum Beispiel andere Zahlungsarten oder eine abweichende Produktauswahl.

Wie verhält sich der Headless-Kanal gegenüber dem Storefront-Kanal?

Der technische Unterschied ist: Der Storefront-Kanal liefert fertig gerendertes HTML über Twig aus. Der Headless-Kanal liefert nur Rohdaten per API, dein Frontend übernimmt das Rendern. Beide Kanäle greifen auf denselben Shopware-Core und dieselbe Geschäftslogik zu. Der Storefront-Kanal rendert daraus serverseitig HTML über Twig, der Headless-Kanal liefert die Daten über die Store API an dein eigenes Frontend. Für Händler ohne Headless-Vorhaben ist der Storefront-Kanal die richtige Wahl.

Weiterführende Ressourcen

Verkaufskanäle sind das Fundament, auf dem Shopware-Projekte aufgebaut werden. Wenn du tiefer in die Architektur einsteigen willst, lohnt sich ein Blick auf die Store API und Headless-Möglichkeiten sowie auf die Shopware-Plattform insgesamt. Wer seinen Shop langfristig gut betreut haben will, findet bei uns ein klares Betreuungsmodell, das technische Pflege und strategische Weiterentwicklung kombiniert.

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