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Shopware 5 ist seit zwei Jahren durch: Dein realistischer Zeitplan für den Umstieg

Matthias Hinsche 5 Min. Lesezeit
Shopware 5 ist seit zwei Jahren durch: Dein realistischer Zeitplan für den Umstieg

„Wir wissen, dass Shopware 5 irgendwann ausläuft.”

Diesen Satz hören wir immer noch, im Sommer 2026. Das Problem daran: Shopware 5 läuft nicht irgendwann aus. Es ist Ende Juli 2024 aus dem Support gefallen. Das ist zwei Jahre her.

Wer das noch als Zukunftsthema behandelt, hat schon zwei Jahre auf einem System betrieben, für das niemand mehr proaktiv Sicherheitslücken schließt. Das ist kein Grund für Panik, aber es ist ein Grund, jetzt einen Termin in den Kalender zu schreiben statt weiter zu vertagen.

Wo du wirklich stehst, wenn dein Shop noch auf Shopware 5 läuft

Shopware hat mit dem Support-Ende von einem aktiven auf einen reaktiven Modus umgestellt. Es werden keine Lücken mehr systematisch gesucht und geschlossen. Wenn ein Kunde ein Sicherheitsproblem meldet, wird es untersucht. Das ist ein erheblicher Unterschied.

Kommerziellen Langzeit-Support gibt es über safefive, betrieben von der Paddox GmbH um Carmen Bremen und Rico Neitzel. Die liefern Sicherheitspatches über ein eigenes Plugin und betreiben ein Bug-Bounty-Programm. Als Brücke während einer laufenden Migration ist das eine sinnvolle Absicherung. Als Dauerlösung ist es keine, weil dein eigentliches Problem nicht nur die Shopware-Version ist.

Der Rest des Stacks altert nämlich mit. PHP 8.1 ist seit Ende 2025 ohne Sicherheitspatches, PHP 8.2 folgt am 31. Dezember 2026. Die meisten Shopware-5-Installationen, die wir sehen, laufen auf noch älteren Versionen. Dazu kommen Plugins, deren Hersteller die Shopware-5-Zweige längst eingestellt haben, und Zahlungsanbieter, die ihre alten Schnittstellen abschalten. Jeder dieser Punkte kommt einzeln und ohne Vorwarnung.

Warum das Zeitfenster gerade jetzt günstig ist

Hier ist die gute Nachricht, und die wird selten erzählt: Der Zeitpunkt für den Umstieg ist derzeit ungewöhnlich entspannt.

Shopware hat die nächste Major-Version 6.8 offiziell auf 2027 verschoben, geplant war ursprünglich 2026. Der aktuelle Zweig 6.7 bekommt monatlich Minor-Releases, zuletzt 6.7.12.1. Der erweiterte Support für 6.6 läuft sogar bis zum Erscheinen von 6.8 weiter.

Wer jetzt migriert, landet also auf einer Version, die noch lange gepflegt wird, und muss nicht in zwölf Monaten den nächsten großen Sprung einplanen. Wer bis nächstes Jahr wartet, migriert mitten in die Vorbereitung auf 6.8 hinein. Das ist nicht dramatisch, aber es ist schlechter als jetzt.

Der realistische Zeitplan: sechs Monate in fünf Phasen

Rechne mit drei bis sechs Monaten, für größere Shops mit mehr. Wer dir vier Wochen verspricht, meint entweder einen sehr kleinen Shop oder er hat die Datenübernahme noch nicht angeschaut.

Phase 1, Bestandsaufnahme, zwei bis vier Wochen. Was ist überhaupt drin? Alle Plugins, alle Schnittstellen, alle Sonderlocken im Checkout und in der Preislogik. Ergebnis ist eine Liste mit drei Spalten: übernehmen, ersetzen, streichen. Die Spalte „streichen” ist bei jedem Projekt die überraschendste, weil dort regelmäßig ein Drittel landet.

Phase 2, Konzept und Festpreis, zwei Wochen. Erst jetzt lässt sich seriös kalkulieren. Wir machen deshalb die Bestandsaufnahme als eigenständigen, bezahlten Schritt und geben danach einen Festpreis. Alles andere wäre Raten.

Phase 3, Aufbau, sechs bis zwölf Wochen. Neuer Shop auf 6.7, Theme, Plugins, Schnittstellen zu ERP und Versand, Zahlungsarten. Der Punkt, an dem am meisten Zeit verbrannt wird, wenn Phase 1 schlampig war.

Phase 4, Datenmigration und Tests, drei bis sechs Wochen. Artikel, Kunden, Bestellhistorie, und vor allem: URLs. Jede alte URL braucht ein Ziel, sonst verlierst du Rankings, die du dir über Jahre erarbeitet hast. Dieser Punkt wird am häufigsten unterschätzt und ist am teuersten nachzuholen.

Phase 5, Go-live und Nachlauf, zwei bis vier Wochen. Umschalten, beobachten, nachjustieren. Rechne fest damit, dass in den ersten zwei Wochen Dinge auffallen, die im Test niemand gesehen hat. Das ist normal und gehört budgetiert.

Was in dieser Rechnung oft fehlt: Nach dem Go-live hört die Arbeit nicht auf. Ein frisch migrierter Shop auf 6.7 will die monatlichen Minor-Releases mitnehmen, sonst stehst du in drei Jahren wieder da, wo du heute stehst. Plane die laufende Betreuung deshalb gleich mit ein, nicht als Nachgedanken.

Was den Zeitplan zuverlässig sprengt

Drei Muster, die wir immer wieder sehen.

Der Wunsch nach dem Relaunch mittendrin. „Wenn wir schon migrieren, können wir auch gleich das Design neu machen.” Kann man. Dann ist es aber kein Umstieg mehr, sondern ein Neubau mit Datenübernahme, und die Laufzeit verdoppelt sich gerne. Unsere Empfehlung: erst technisch sauber ankommen, Design im zweiten Schritt. Dann weißt du auch, welche Probleme wirklich am Design lagen.

Fehlende Entscheidungen auf Kundenseite. Der häufigste Grund für Verzug ist nicht die Technik, sondern eine offene Frage, auf die drei Wochen niemand antwortet. Benenne eine Person, die entscheiden darf.

Individualentwicklung ohne Prüfung übernehmen. Zwischen Shopware 5 und 6 liegt ein Architekturbruch. Custom-Code wird nicht portiert, er wird neu gebaut. Bevor du das bezahlst, prüfe, ob die Funktion inzwischen im Standard steckt oder ein fertiges Plugin sie abdeckt. Bei uns fällt in dieser Prüfung regelmäßig ein guter Teil des alten Sonderbaus einfach weg.

Wenn du diese Woche etwas tun willst

Der erste Schritt kostet nichts und dauert eine Stunde: Schreib auf, welche Systeme an deinem Shop hängen. ERP, Versand, Payment, Newsletter, Buchhaltung, Marktplätze. Diese Liste ist die Grundlage für jedes Angebot, das du einholst, und du wirst sie ohnehin brauchen.

Danach lohnt der Migrations-Check, der dir eine erste Einordnung gibt, ohne dass du gleich ein Projekt startest. Wenn du konkreter wissen willst, wie wir einen Umstieg auf Shopware 6 aufsetzen, steht der Ablauf dort im Detail.

Und ein ehrliches Wort zum Schluss: Nicht jeder Shopware-5-Shop muss migriert werden. Wenn dein Shop drei Bestellungen im Monat macht und nebenher läuft, kann ein Wechsel auf ein einfacheres System die bessere Entscheidung sein. Das sagen wir dann auch, selbst wenn es für uns weniger Umsatz bedeutet. Was aber nicht funktioniert, ist die dritte Option: weiter warten und hoffen.

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