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B2B

Shopify B2B: Großhandel mit Shopify Plus

So baust du mit Shopify Plus einen echten B2B-Kanal auf: Company Accounts, individuelle Kataloge, Zahlungsziele und was davon auch ohne Plus geht.

6 Min. Lesezeit

Shopify hat sich lange Zeit schwer getan mit ernsthaftem B2B. Das hat sich grundlegend geändert. Seit 2023 wächst das native B2B-Funktionsset rasant, und mit der Winter ‘26 Edition hat Shopify noch einmal nachgelegt. Wer heute Großhandel über Shopify abwickeln will, bekommt ein Werkzeug, das viele Middleware-Apps überflüssig macht. Allerdings trennt Shopify scharf zwischen dem, was der normale Plan bekommt, und dem, was Plus reserviert ist. Dieser Artikel erklärt dir, was du wirklich brauchst und wann Plus die richtige Wahl ist.

Das Herzstück: Company Accounts

Klassischer B2C-Handel kennt Kunden. B2B-Handel kennt Firmen mit mehreren Ansprechpartnern, verschiedenen Lieferadressen und unterschiedlichen Zahlungskonditionen pro Standort. Genau das bildet Shopify mit dem Company-Modell ab.

Eine Company fasst mehrere Kontaktpersonen unter einem Dach zusammen. Jede Person bekommt eine Rolle: Admin oder Ordering Only. Jede Company kann mehrere Locations haben, etwa Hauptsitz und Filialen. Und jede Location kann eigene Zahlungsziele, eigene Zahlungsmethoden und einen eigenen Preiskatalog bekommen.

Das klingt nach Selbstverständlichkeit, ist aber für eine SaaS-Plattform alles andere als trivial. Wer früher Großhandel mit Shopify betreiben wollte, hat sich mit einem Wholesale-Kanal über eine separate Passwort-geschützte Storefront beholfen. Das gehört der Vergangenheit an.

Neu seit Anfang 2026: Sidekick, Shopifys KI-Assistent, kann Companies per natürlicher Sprache anlegen, inklusive Kontaktdaten, Lieferadressen, Metafields und Zahlungszielen. Wer viele Neukunden einzupflegen hat, spart damit spürbar Zeit.

Preiskataloge und was Plus daran ändert

Jede B2B-Firma braucht individuelle Preise. Shopify löst das mit Katalogen, also Preislisten, die du einer Company oder einer Location direkt zuweist.

Auf den normalen Shopify-Plänen (Basic, Grow, Advanced) kannst du bis zu drei aktive B2B-Kataloge anlegen. Diese werden über Markets zugewiesen, nicht direkt per Company. Das reicht für manche Händler aus, bei wachsendem Kundenportfolio wird es jedoch schnell eng.

Shopify Plus hebt diese Begrenzung auf. Du bekommst unbegrenzt viele Kataloge und kannst sie direkt an Companies und einzelne Locations hängen. Für einen Großhändler mit 50 Kunden, die alle individuelle Konditionen haben, ist das kein Nice-to-have, sondern Voraussetzung. Mehr zu den Katalog-Möglichkeiten erläutert der Wiki-Artikel zu B2B-Katalogen und Preislisten in Shopify.

Innerhalb eines Katalogs kannst du prozentuale Rabatte auf den Listenpreis definieren oder individuelle Preise pro Variante festlegen. Mengenrabatte und Staffelpreise sind ebenfalls möglich.

Zahlungsmethoden im B2B-Kontext

Shopify bietet im B2B-Bereich deutlich mehr als nur Kreditkarte:

Zahlungsziele (Net 30, Net 60 oder individuell) lassen sich pro Location setzen. Shopify erfasst die Bestellung, der Zahlungseinzug erfolgt aber erst zum Fälligkeitsdatum. Wichtig: Shopify zieht nicht automatisch ein. Du musst die Zahlung manuell initiieren oder über Automatisierungen (Shopify Flow) triggern.

Vaulted Credit Cards erlauben es B2B-Kunden, ihre Karte einmalig zu hinterlegen. Bei Folgebestellungen muss die Kartennummer nicht neu eingegeben werden, du kannst die gespeicherte Karte direkt belasten. Das setzt Shopify Payments voraus.

ACH-Lastschrift (US-only, über Shopify Payments) ermöglicht direkte Bankabbuchungen, inklusive automatischer Abstimmung. Für deutsche Händler mit US-Geschäft relevant, für rein deutschen Betrieb noch nicht verfügbar.

Anzahlungen und Teilzahlungen sind Plus-exklusiv. Wenn du deinen Großhandelskunden die Möglichkeit geben willst, 30% bei Bestelleingang und 70% bei Lieferung zu zahlen, brauchst du Plus.

Was auch ohne Plus funktioniert

Shopify hat im April 2026 einen wichtigen Schritt gemacht: Kernfunktionen des B2B-Bereichs sind inzwischen auch auf kleineren Plänen verfügbar. Konkret bekommst du auch ohne Plus:

  • Company-Profile mit mehreren Kontakten und Locations
  • Bis zu drei Preiskataloge
  • Zahlungsziele pro Location
  • Mengenrabatte und Mindestbestellmengen
  • Vaulted Credit Cards (mit Shopify Payments)
  • Passwortgeschützter B2B-Bereich im Shop

Das ist für Händler mit überschaubarem Großhandelsanteil oft ausreichend. Wer aber mehr als drei Kundensegmente mit eigenen Preisen bedienen will oder individuelle Zahlungsvereinbarungen pro Standort braucht, stößt schnell an Grenzen.

B2B und DTC aus einer Storefront

Einer der häufigsten Fehler beim B2B-Aufbau mit Shopify: Händler betreiben B2B und B2C in getrennten Stores. Das erzeugt Pflegeaufwand und verdoppelt Kosten für Apps, Themes und Entwicklung.

Shopify ist darauf ausgelegt, beide Kanäle in einem Store zu vereinen. B2B-Kunden loggen sich ein und sehen automatisch ihre spezifischen Preise und Zahlungsoptionen. B2C-Kunden sehen den normalen Storefront. Das Theme muss dafür nicht doppelt gepflegt werden. Shopify Markets steuert, welche Kundengruppe welchen Preiskatalog bekommt.

Wenn du dazu eine technische Einschätzung für dein konkretes Setup brauchst, hilft der Shopify Quick Check als Einstiegspunkt.

Grenzen, die du kennen solltest

Shopify B2B ist stark gewachsen, hat aber Lücken, die für bestimmte Branchen spürbar sind.

Angebots- und Verhandlungsprozesse sind in Shopify nativ nicht abgebildet. Wer Kunden ein Angebot schicken, warten und dann in eine Bestellung umwandeln will, braucht eine App oder individuelle Entwicklung. Das unterscheidet Shopify klar von Plattformen wie Shopware, die einen nativen Quote-Workflow kennen. Einen direkten Vergleich beider Plattformen für den DACH-B2B-Markt findest du im Artikel Shopware 6 vs. Shopify Plus im DACH-B2B-Kontext.

Komplexe Freigabeprozesse (mehrstufige Bestellfreigaben durch verschiedene Rollen) sind ebenfalls nicht nativ. Für mittelständische Einkaufsstrukturen mit Abteilungsleiter-Freigabe braucht es Anpassung.

ERP-Anbindung ist unverzichtbar. Im B2B-Betrieb laufen Lagerhaltung, Faktura und Kundenstamm im ERP. Ohne saubere Schnittstelle zwischen Shopify und dem ERP entstehen Datenbrüche. Die Seite Shopify mit dem ERP verbinden erklärt, wie diese Anbindung in der Praxis aussieht.

Häufige Fragen

Brauche ich Shopify Plus für B2B, oder reicht ein normaler Plan?

Das hängt von der Größe und Komplexität deines Großhandels ab. Für einen Händler mit wenigen festen Großhandelskunden und überschaubaren Preisunterschieden reicht oft ein normaler Plan. Sobald du mehr als drei verschiedene Preisstufen brauchst, individuelle Zahlungsziele pro Standort oder Teilzahlungen willst, ist Plus die sauberere Wahl. Plus kostet auf Enterprise-Niveau deutlich mehr, bietet dafür aber unbegrenzte Kataloge und direktere Company-Zuweisungen.

Kann ich B2B und B2C im selben Shopify-Store betreiben?

Ja, und das ist sogar die empfohlene Vorgehensweise. B2B-Kunden loggen sich über einen Company-Account ein und sehen automatisch ihre individuellen Preise. B2C-Kunden sehen den normalen Shop. Beide Kanäle teilen sich Produkte, Theme und Apps, was Pflegeaufwand spart. Eine saubere Trennung der Preiskataloge ist Voraussetzung.

Was unterscheidet Shopify B2B von einer Wholesale-App?

Native B2B-Funktionen laufen direkt in Shopify, ohne Middleware. Das bedeutet weniger Komplexität, keine Sync-Fehler zwischen App und Shop und eine konsistentere Käufererfahrung. Wholesale-Apps waren lange die einzige Option und sind es für einige Nischenfunktionen immer noch. Für die meisten Standardfälle ist die native Lösung aber stabiler und günstiger im Betrieb.

Funktioniert Shopify B2B auch mit dem deutschen Zahlungsmarkt?

Zahlungsziele (Rechnung) und Vaulted Cards funktionieren auch in Deutschland. ACH-Lastschrift ist aktuell auf den US-Markt beschränkt. Für SEPA-Lastschrift oder klassische Rechnungszahlung brauchst du entweder Shopify Payments mit den unterstützten lokalen Methoden oder eine Zahlungs-App. Zahlungsarten für Shopify in Deutschland gibt dazu einen vollständigen Überblick.

So geht es weiter

Shopify B2B ist kein fertiges Produkt, sondern eine wachsende Plattform. Wer heute einsteigt, bekommt ein solides Fundament, das sich in den letzten zwei Jahren stark beschleunigt weiterentwickelt hat. Ob Plus für dich wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt am Ende an zwei Fragen: Wie viele individuelle Preissegmente brauchst du, und wie komplex sind deine Zahlungsvereinbarungen?

Wenn du das für dein konkretes Setup durchrechnen willst, lies zuerst den Überblicksartikel zu Shopify Plus, um einzuschätzen, ob der Upgrade-Schritt sich für dich rechnet. Danach stehen wir für eine konkrete Beratung bereit.

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