Staffelpreise in Shopware 6 einrichten
Wie du in Shopware 6 Mengenrabatte und Staffelpreise einrichtest: von einfachen Grundpreisen bis zu kundengruppen-spezifischen B2B-Preislisten.
Staffelpreise sind im B2B-Bereich Standard. Wer größere Mengen abnimmt, erwartet einen günstigeren Stückpreis. In Shopware 6 lässt sich das nativ abbilden, ohne Plugin-Einsatz. Die Frage ist nicht ob, sondern wie du die Logik strukturierst, denn je nach Anforderung greifst du auf unterschiedliche Werkzeuge zurück.
Was Shopware 6 von Haus aus mitbringt
Shopware 6 trennt Preise grundsätzlich in zwei Ebenen. Erstens: den Standardpreis, der für alle Besucher gilt. Zweitens: erweiterte Preise, die an Regeln geknüpft sind. Staffelpreise sind Teil der erweiterten Preise.
Im Produktbearbeiten-Bereich findest du dafür den Tab “Erweiterte Preise”. Dort legst du je Preisregel eine separate Staffel-Tabelle an. Für jede Staffel gibst du die Mindestmenge und den zugehörigen Preis ein, entweder als Brutto- oder als Nettowert.
Das klingt einfacher als es manchmal ist. Wer das erste Mal damit arbeitet, stolpert typischerweise über zwei Punkte: Die Staffeln gelten immer nur innerhalb einer bestimmten Preisregel, und ohne zugehörige Regel greifen sie nicht. Du brauchst also immer auch einen Rule Builder-Eintrag, der bestimmt, wann diese Staffel überhaupt aktiv ist.
Preisregeln anlegen: der Rule Builder als Schaltzentrale
Der Rule Builder in Shopware 6 steuert, unter welchen Bedingungen ein bestimmter Preis gilt. Für Staffelpreise brauchst du mindestens eine Regel. Praktische Beispiele aus dem Projektalltag:
- Regel “Alle Kunden, Bruttoshop”: gilt für alle, keine Einschränkung. Sinnvoll, wenn du Mengenrabatte für jeden Käufer anbieten willst.
- Regel “B2B-Händler”: greift nur für Kunden in der Kundengruppe “Händler”. Mengenstaffel dann im Nettomodus.
- Regel “Großkunde XY”: eine individuelle Regel für genau diesen Kunden. Maximale Flexibilität, aber wartungsintensiv bei vielen Einzelkunden.
Die Regel legst du unter Einstellungen > Regeln an. Danach wählst du sie im Produktbereich unter “Erweiterte Preise” als Bedingung aus und pflegst die Staffel-Tabelle darunter.
Ein Hinweis, der sich in Projekten oft als wichtig erweist: Prioritäten. Wenn mehrere Regeln gleichzeitig auf einen Kunden zutreffen, zum Beispiel eine allgemeine Mengenregel und eine Kundengruppen-Regel, entscheidet die höhere Prioritätszahl, welche Regel zieht. Das musst du bewusst planen, sonst erscheint der falsche Preis.
Kundengruppen und individuelle Preise
Für B2B-Shops ist die Kombination aus Kundengruppen und Staffelpreisen der häufigste Einsatzfall. Du legst eine Kundengruppe an (Einstellungen > Kundengruppen), weist ihr Netto-Darstellung zu, und verknüpfst sie im Rule Builder mit einer Regel.
Dann pflegst du im Produkt für diese Regel eigene Staffelpreise. Das ergibt eine saubere Struktur: Der B2B-Kunde sieht immer den Nettopreis, und ab einer bestimmten Menge greift automatisch der günstigere Staffelpreis. Der B2C-Kunde im gleichen Shop sieht nichts davon.
Wichtig dabei: Shopware unterscheidet im Produkt zwischen dem “Regel-Preis” und dem Staffel-Eintrag darunter. Den Regelpreis brauchst du trotzdem als Einzelpreis für 1 Stück. Die Staffeln darunter greifen erst ab der definierten Mindestmenge.
Schritt-für-Schritt: Einfache Mengenstaffel einrichten
Für einen typischen Fall, zum Beispiel einen Händler-Grundrabatt mit Mengenstaffelung, läuft das Vorgehen so:
- Kundengruppe anlegen (Einstellungen > Kundengruppen), Nettoanzeige aktivieren.
- Regel anlegen (Einstellungen > Regeln): Bedingung “Kundengruppe ist eine von” und die neue Gruppe auswählen.
- Im Produkt den Tab “Erweiterte Preise” öffnen, die neue Regel hinzufügen.
- Regelpreis eintragen (Einzelstückpreis für diese Gruppe).
- Staffeln darunter anlegen: Mindestmenge 10 ab X Euro, Mindestmenge 50 ab Y Euro, Mindestmenge 100 ab Z Euro.
- Speichern und im Frontend mit einem Testkunden der Gruppe prüfen.
Der letzte Punkt ist keine Selbstverständlichkeit. Shopware zeigt Staffelpreise im Produkt-Listing standardmäßig nicht an. Was der Kunde im Listing sieht, ist der Basispreis. Die Staffel-Tabelle erscheint erst auf der Produktdetailseite. Wer das ändern möchte, braucht eine Theme-Anpassung oder ein Plugin.
Grenzen der nativen Lösung
Shopware 6 kommt mit der beschriebenen Logik gut für klassische Mengenstaffeln aus. Es gibt aber Szenarien, in denen das System an Grenzen stößt:
- Viele Kundengruppen mit je eigenen Staffeln: Die Pflege direkt am Produkt wird schnell unübersichtlich. Bei 20 Produkten und 5 Kundengruppen summiert sich das auf 100 separate Preistabellen.
- Kundenindividuelle Sonderpreise: Für sehr individuelle Konditionen, zum Beispiel Rahmenverträge mit festen Preisen je Artikel, ist die native Lösung umständlich. Hier kommt die Shopware B2B-Funktionalität mit B2B Components ins Spiel, die ab der Evolve-Edition verfügbar ist.
- Staffelpreise auf Variantenebene: Technisch möglich, aber aufwendig in der Pflege, wenn Varianten unterschiedliche Staffeln haben sollen.
- ERP-Import von Staffelpreisen: Wenn Preise aus dem ERP kommen, über Systeme wie xentral oder Pickware, muss die Schnittstelle die Shopware-Preisstruktur korrekt abbilden. Das ist nicht immer trivial und sollte im Projekt frühzeitig geprüft werden.
B2B Components als nächste Stufe
Wer komplexere B2B-Preislogik braucht, kommt irgendwann an die B2B Components. Sie bieten unter anderem individuelle Preislisten je Kunde oder Unternehmen, Budgetverwaltung, und eine strukturiertere Verwaltung von Unternehmens-Hierarchien. Die Staffelpreisfunktion selbst bleibt dabei dieselbe wie im Standard, aber die Verwaltung wird komfortabler.
Die B2B Components sind Bestandteil der Enterprise-Editionen (Stand 2026 ab Evolve-Stufe). Für kleine und mittlere Händler, die “nur” Kundengruppen-Staffeln brauchen, ist das kein Pflichtthema. Für B2B-Händler mit echten Key-Account-Strukturen lohnt sich ein genauerer Blick auf Shopware B2B Components und die damit verbundenen Kosten.
Häufige Fragen
Kann ich Staffelpreise nur für bestimmte Kundengruppen aktivieren?
Ja. Du verknüpfst die Staffel-Tabelle im Produkt immer mit einer Preisregel. Diese Regel kann so definiert sein, dass sie nur für bestimmte Kundengruppen greift. Alle anderen Kunden sehen weiterhin den normalen Preis. So laufen B2B- und B2C-Preise im gleichen Shop ohne Überschneidungen.
Werden Staffelpreise automatisch im Listing angezeigt?
Nein. Im Standard zeigt Shopware im Produktlisting nur den günstigsten Preis gemäß aktueller Regel. Eine explizite Staffel-Tabelle im Listing ist nicht vorhanden. Das lässt sich über Theme-Anpassungen oder spezifische Plugins nachrüsten. Im Detail der Produktseite erscheint die Staffel-Tabelle hingegen automatisch, sobald du Staffeln gepflegt hast.
Was passiert, wenn mehrere Regeln gleichzeitig zutreffen?
Shopware zieht dann die Regel mit der höchsten Priorität. Die Priorität vergibst du selbst beim Anlegen der Regel. Ohne bewusste Priorisierung kann das zu unerwartetem Verhalten führen. Plane deshalb immer, welche Regel Vorrang hat, und teste den Fall mit einem Testkunden, der mehrere Regeln erfüllt.
Lassen sich Staffelpreise aus dem ERP automatisch übertragen?
Das hängt von der Schnittstelle ab. Systeme wie xentral können Staffelpreise nach Shopware übertragen, wenn die Schnittstelle entsprechend konfiguriert ist. Nicht alle Standard-Konnektoren bilden Staffeln vollständig ab. Lass das vor dem Go-live prüfen, am besten zusammen mit einem Testlauf mit Echtdaten.
Staffelpreise in Shopware 6 sind grundsätzlich ohne große Vorkenntnisse einrichtbar. Der Teufel liegt im Detail: in der Priorisierung von Regeln, in der Darstellung im Frontend und in der Skalierbarkeit bei vielen Produkten und Kundengruppen. Wenn du unsicher bist, wie du die Preislogik für deinen spezifischen B2B-Fall strukturierst, oder wenn du merkst, dass die native Lösung an ihre Grenzen stößt, schau dir unsere Shopware B2B-Betreuung an. Wir kennen diese Strukturen aus vielen Projekten und helfen dir, eine Lösung zu bauen, die langfristig wartbar bleibt.
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