Zum Inhalt springen
Zurück zum Shopware Wiki
Technik

Shopware mit dem ERP verbinden: xentral, Pickware & Co.

Wie du Shopware mit einem ERP-System verbindest: xentral, Pickware und andere Lösungen im ehrlichen Vergleich, mit konkreten Entscheidungshilfen.

6 Min. Lesezeit

Ein Shopware-Shop, der ordentlich läuft, produziert schnell mehr Bestellungen, als sich manuell verwalten lassen. Ab einem bestimmten Volumen ist eine ERP-Anbindung kein Nice-to-have mehr, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Betrieb nicht im Chaos versinkt. Welches ERP zu deinem Shop passt, hängt von Lagergröße, Auftragsvolumen, Team und Budgetrahmen ab. Dieser Artikel zeigt dir die verbreitetsten Optionen, erklärt die technischen Wege und benennt, wo es in der Praxis hakt.

Warum eine ERP-Anbindung überhaupt nötig ist

Ohne ERP-Verbindung pflegst du Bestände, Kundenkonten und Aufträge in zwei oder mehr Systemen parallel. Das führt zu Überverkäufen, verzögerten Lieferungen und unnötig viel Handarbeit. Eine sauber aufgesetzte Anbindung synchronisiert Lagerbestand, Bestellungen, Rechnungen und Lieferstatus zwischen Shop und ERP automatisch in beide Richtungen.

In der Praxis bedeutet das: Geht eine Bestellung in Shopware ein, wandert sie ohne manuellen Eingriff ins ERP, löst dort die Kommissionierung aus, erzeugt einen Lieferschein und sendet nach Versand die Trackingnummer zurück in den Shop. Der Kunde sieht aktuellen Status, dein Lager bleibt konsistent, und dein Team kann sich auf Ausnahmen konzentrieren statt auf Datenpflege.

Integrationswege: Plugin, API oder Middleware

Es gibt drei grundlegende Wege, Shopware mit einem ERP zu verbinden.

Natives Plugin oder Connector des ERP-Anbieters: Viele ERP-Systeme liefern einen fertigen Shopware-Connector mit. Du installierst das Plugin, hinterlegst API-Keys und konfigurierst, was synchronisiert werden soll. Das ist der schnellste Einstieg, hat aber feste Grenzen bei Sonderfällen.

Middleware oder iPaaS-Plattform: Tools wie Plentymarkets, Pipe17 oder spezialisierte Connector-Dienste sitzen zwischen Shop und ERP. Sie bieten mehr Flexibilität bei der Datenumwandlung, kosten aber laufende Gebühren und fügen eine weitere Schicht ein, die gewartet werden muss.

Individuelle Schnittstellenentwicklung: Wenn deine Geschäftsprozesse zu komplex für Standard-Connectoren sind, ist eine maßgeschneiderte Schnittstellenentwicklung der richtige Weg. Mehr Aufwand initiell, aber volle Kontrolle über Datenmodell, Fehlerbehandlung und Sonderfälle.

Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, wie standardisiert deine Prozesse sind und wie viel Volumen du täglich abwickelst.

xentral: der Allrounder für wachsende Händler

xentral ist aktuell das meistgenutzte ERP in der deutschen E-Commerce-Mittelstandslandschaft, und das nicht ohne Grund. Das System ist auf Online-Händler zugeschnitten und bringt einen fertigen Shopware-6-Connector mit, der direkt aus dem Shopware Store installiert werden kann.

Was xentral gut kann: Auftragsimport, Bestandssync, Rechnungsstellung, Versandlabelgenerierung und die Anbindung an Versanddienstleister. Über Workflows lassen sich viele Schritte automatisieren, ohne dass du eine Zeile Code schreiben musst. Marktplätze wie Amazon oder eBay können parallel eingebunden werden, was für Multichannel-Händler wichtig ist.

Was du realistisch einplanen solltest: xentral ist mächtig, aber die initiale Konfiguration ist nicht trivial. Fehlerhaft aufgesetzte Workflows produzieren Fehler, die erst dann auffallen, wenn Kunden nach ihren Bestellungen fragen. Ein professionelles xentral-Onboarding lohnt sich, besonders wenn du Sonderfälle wie Stücklisten, Variantenprodukte oder komplexe Preislogiken hast.

xentral bietet verschiedene Einstiegspläne für kleinere Shops, skaliert aber auch in Enterprise-Bereiche hinein. Die Preisstruktur ist gestaffelt, aktuelle Tarifinformationen findest du direkt auf der xentral-Website. Unsere Einschätzung zur Shop-plus-xentral-Kombination findest du auf der zugehörigen Leistungsseite.

Pickware: tief integriert, direkt in Shopware

Pickware verfolgt einen anderen Ansatz als xentral. Statt ein eigenständiges System parallel zu betreiben, lebt Pickware direkt in der Shopware-Administration. Du bekommst Lagerverwaltung, Einkauf, Retouren und Versandverarbeitung ohne zweites Backend.

Das hat einen klaren Vorteil: weniger Synchronisationsprobleme. Da Pickware als Plugin im selben Shopware-Datenbankumfeld arbeitet, gibt es keine Latenz beim Bestandsabgleich und keine Fehler durch nicht übertragene Datensätze. Barcode-Scanner-Unterstützung für Lagerorte und ein optionales POS-Modul runden das Bild ab.

Der Nachteil ist die enge Kopplung: Pickware ist ausschließlich für Shopware (und seit Kurzem Shopify). Wer langfristig das Shopsystem wechseln oder ein System für mehrere Verkaufskanäle außerhalb Shopwares nutzen will, muss das ERP dann ebenfalls tauschen. Für reine Shopware-Händler mit überschaubarer Lagerkomplexität ist Pickware aber eine sehr pragmatische Wahl.

Pickware ist in mehreren Plänen verfügbar, die Basisversion kann kostenlos aus dem Shopware Community Store heruntergeladen werden. Zusatzmodule wie WMS oder POS werden separat berechnet.

Weitere Optionen: tricoma, Atamya und andere

Neben xentral und Pickware gibt es weitere Systeme, die regelmäßig in Shopware-Projekten auftauchen.

  • tricoma richtet sich vor allem an Händler, die viele Marktplätze und Verkaufskanäle parallel betreiben. Der Funktionsumfang ist umfassend, die Lernkurve entsprechend steil.
  • Atamya positioniert sich als modernes Cloud-ERP mit starkem Fokus auf Produkt- und Stammdatenmanagement. Gut geeignet, wenn die Produktdatenpflege ein zentrales Problem ist.
  • SAP/Microsoft Dynamics/proALPHA kommen ins Spiel, wenn der Shopware-Shop an ein im Unternehmen bereits vorhandenes ERP angebunden werden soll. Hier ist fast immer eine individuelle Schnittstelle nötig.

Für Datenmigration nach Shopware ist die ERP-Anbindung übrigens ein separater Schritt, der frühzeitig mitgeplant werden sollte. Wer erst die Shopware-Migration abschließt und dann merkt, dass das ERP nicht kompatibel ist, verliert unnötig Zeit.

Was oft unterschätzt wird: Datenqualität vor der Anbindung

Ein häufig gesehenes Problem in der Agenturpraxis: Die ERP-Anbindung scheitert nicht an der Technik, sondern an schlechten Stammdaten. Artikel ohne EAN, inkonsistente Lagerbuchungen, doppelte Kundendatensätze. Wer Shopware mit einem ERP verbindet, macht bestehende Datenprobleme sichtbar, löst sie aber nicht automatisch.

Bevor du die Anbindung aufsetzt, lohnt eine kurze Bestandsaufnahme: Sind Produkte sauber angelegt? Stimmen Lagerbestände im Ist mit dem gebuchten Bestand überein? Gibt es eindeutige Artikelnummern? Custom Fields in Shopware können dabei helfen, ERP-spezifische Felder direkt im Shop zu pflegen, was die Synchronisation einfacher und robuster macht.

Versand als Teil der ERP-Kette

Eine ERP-Anbindung ist selten vollständig, ohne gleichzeitig den Versandprozess zu automatisieren. xentral und Pickware bringen beide Versandlabel-Generierung mit und können direkt mit DHL, GLS oder DPD kommunizieren. Wie du Versanddienstleister in Shopware anbindest, beschreiben wir im zugehörigen Wiki-Artikel. Sinnvoll ist es, ERP-Konfiguration und Versandeinrichtung als ein Paket zu denken, nicht als zwei getrennte Projekte.

Häufige Fragen

Kann ich xentral selbst einrichten oder brauche ich Hilfe?

Einfache Standardprozesse lassen sich mit etwas Zeit selbst konfigurieren, xentral bietet dafür gute Dokumentation. Sobald du aber Sonderfälle hast, zum Beispiel Produkte mit vielen Varianten, Bundles, Dropshipping-Anteile oder mehrere Lagerorte, wird es schnell komplex. Fehler in der Workflow-Konfiguration können zu doppelten Bestellungen oder falsch gebuchten Beständen führen. Ein Onboarding durch einen zertifizierten Partner spart dort mehr Zeit, als er kostet.

Was kostet eine ERP-Anbindung an Shopware technisch?

Das hängt stark davon ab, welches ERP du einsetzt und wie komplex deine Prozesse sind. Bei Standard-Connectoren wie dem xentral-Shopware-Plugin liegt der Einrichtungsaufwand im niedrigen bis mittleren Tageswerk-Bereich. Individuelle Schnittstellen für SAP oder proprietäre ERP-Systeme können mehrere Wochen Entwicklung bedeuten. Laufende Kosten entstehen durch ERP-Lizenzen, eventuelle Middleware-Gebühren und die Pflege der Anbindung bei Shopware-Updates.

Was passiert mit der ERP-Anbindung bei Shopware-Updates?

Shopware-Versionen können API-Änderungen mitbringen, die den Connector betreffen. Gute ERP-Anbieter aktualisieren ihre Plugins zeitnah nach einem Major-Release. Als Shopware-Betreiber solltest du Updates deshalb nicht blind einspielen, sondern vorher auf einem Staging-System testen. Das gilt besonders dann, wenn dein ERP-Connector eine kritische Prozessrolle spielt. Backups und Staging in Shopware sind deshalb kein optionaler Komfort, sondern Betriebsvoraussetzung.

Lohnt sich eine individuelle Schnittstelle gegenüber einem Standard-Connector?

Standard-Connectoren reichen für 80 Prozent der Fälle. Lohnenswert wird eine individuelle Entwicklung, wenn dein ERP keinen zertifizierten Shopware-Connector hat, wenn du sehr spezifische Datenfelder oder Prozesslogik synchronisieren musst, oder wenn mehrere Systeme (ERP plus PIM plus Versanddienstleister) koordiniert werden sollen. Hier zahlt sich eine sauber spezifizierte ERP-Anbindung als Leistung aus, die du nicht dreimal nachbessern musst.


Wenn du planst, Shopware mit einem ERP zu verbinden, oder wenn eine bestehende Anbindung Probleme macht, helfen wir dir bei der Entscheidung und der Umsetzung. Einen Überblick über unsere ERP-Leistungen findest du unter ERP-Anbindung. Wer noch unsicher ist, ob xentral das richtige System ist, kann mit dem xentral-Onboarding-Angebot einsteigen.

Shopware-Projekt oder Frage im Kopf?

Als Shopware Premium Extension Partner kennen wir die Plattform in der Tiefe. Lass uns ehrlich besprechen, was für dich sinnvoll ist.

BuI Insights

Shopware- & xentral-Praxiswissen direkt ins Postfach

Plugin-Updates, Best Practices, Migrations-Tipps und Branchen-Cases. Ein Mal im Monat, nur das, was wirklich relevant ist. Jederzeit abbestellbar.

Mit dem Klick stimmst du zu, dass wir dir den Newsletter zusenden dürfen (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO). Mehr in der Datenschutzerklärung.