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Systemwahl

Shopware vs Magento (Adobe Commerce): Der ehrliche Vergleich

Shopware oder Magento? Welches System passt wirklich zu deinem Shop, deinem Budget und deinem Team? Ein Vergleich ohne Werbeversprechen.

6 Min. Lesezeit

Shopware und Magento gelten beide als leistungsfähige Plattformen für anspruchsvolle Online-Händler. Trotzdem landen viele Projekte beim falschen System, weil der Vergleich auf Featurelisten statt auf realen Betriebskosten und Teamkapazitäten basiert. Dieser Artikel zeigt, wo die Unterschiede tatsächlich liegen, und wann welches System die bessere Wahl ist.

Was beide Systeme gemeinsam haben

Shopware 6 und Magento 2 (heute als Adobe Commerce vermarktet) sind beide Open-Source-Plattformen mit einer kostenlosen Community-Edition und kommerziellen Erweiterungen. Beide sind PHP-basiert, Shopware 6 auf Symfony, Magento 2 auf dem eigenen Magento-Framework (Zend/Laminas plus einzelne Symfony-Komponenten). Beide sind headless-fähig, und beide decken komplexe B2B- und B2C-Anforderungen ab. Wer nach einem schnellen Baukastenshop sucht, ist mit keinem der beiden gut beraten. Wer hingegen einen Shop braucht, der tief ins ERP integriert werden soll, mehrstufige Preisstrukturen abbildet und langfristig weiterentwickelt wird, befindet sich mit beiden Systemen grundsätzlich auf dem richtigen Gleis.

Die Unterschiede liegen im Betriebsmodell, den Lizenzkosten, der Entwicklungszeit und dem, was ein Team realistisch beherrschen kann.

Lizenzkosten und Total Cost of Ownership

Magento Open Source ist kostenlos. Adobe Commerce, die kommerzielle Variante, kostet je nach Umsatzklasse deutlich mehr: Einstiegspreise beginnen bei rund 22.000 US-Dollar pro Jahr für Shops bis ca. 5 Millionen US-Dollar GMV, Enterprise-Stufen liegen bei 100.000 US-Dollar und darüber. Hinzu kommen Hosting, Erweiterungen und Agenturkosten. Wer mit Magento Open Source arbeitet und auf den Adobe-Support verzichtet, zahlt keine Lizenz, trägt aber alle Sicherheits- und Update-Last selbst.

Shopware bietet mit der Community Edition ebenfalls eine kostenfreie Basis. Die kommerzielle Rise-Edition startet derzeit bei rund 600 Euro pro Monat, Evolve liegt bei etwa 2.400 Euro monatlich. Cloud-Hosting ist in den Plänen enthalten oder separat buchbar.

Für einen mittelständischen Shop mit 2 bis 5 Millionen Euro Jahresumsatz liegt der realistische 3-Jahres-TCO für Shopware Community plus Agentur bei etwa 75.000 bis 150.000 Euro. Für Magento Open Source ist ein ähnlicher Rahmen möglich, aber nur mit erfahrenem Team und konservativem Update-Verhalten. Adobe Commerce auf Cloud-Niveau kostet schnell das Drei- bis Vierfache davon.

Die Gesamtkostenrechnung für Shopware lohnt sich als eigene Lektüre, wenn du die Zahlen für deinen konkreten Fall durchrechnen willst.

Stärken und Schwächen im direkten Vergleich

Shopware punktet klar bei:

  • Admin-Nutzbarkeit: Das Backend ist deutlich einfacher zu bedienen. Redakteure und Shop-Manager kommen ohne tiefes Shopware-Wissen zurecht.
  • Erlebniswelten: Content-Commerce direkt im System, ohne Drittsystem. Magento braucht dafür immer ein externes CMS oder aufwendige Custom-Entwicklung.
  • Update-Stabilität: Shopware-Updates sind inkrementell und gut dokumentiert. Magento-Major-Updates haben in der Vergangenheit regelmäßig Projekte wochenlang blockiert.
  • DACH-Markt: Shopware kommt aus Schöppingen, kennt DSGVO, deutsche Zahlungsarten und steuerliche Besonderheiten von Haus aus. Magento-Module für Deutschland-spezifische Anforderungen müssen oft separat gepflegt werden.
  • Entwickler-Onboarding: Symfony-Entwickler finden sich in Shopware 6 schneller zurecht. Magentos eigene Architektur ist lernintensiver.

Magento ist stärker bei:

  • Enterprise-B2B-Tiefe: Adobe Commerce B2B ist ausgereifter als Shopware B2B Components in der aktuellen Entwicklungsphase. Gemeinsame Einkaufskonten, Angebotsmanagement und Unternehmenshierarchien sind dort tiefer ausgebaut.
  • Globale Skalierung: Magento hat mehr Erfahrung mit Multi-Instanz-Setups für internationale Konzerne außerhalb des DACH-Raums.
  • Ökosystem-Reife: Weltweit gibt es mehr Magento-Agenturen und -Entwickler als Shopware-Spezialisten. Für Unternehmen mit globalem Dienstleisterbedarf kann das relevant sein.

Migration von Magento zu Shopware: Wann lohnt sich das?

Viele Shopbetreiber fragen uns, ob ein Wechsel von Magento zu Shopware sinnvoll ist. Die kurze Antwort: oft ja, aber nicht immer und nicht sofort.

Der Wechsel lohnt sich, wenn:

  • Das bestehende Magento-System durch Tech-Schulden oder veraltete Versionen kaum noch wartbar ist.
  • Das interne Team oder die Agentur keine valide Magento-Expertise mehr hat.
  • Der Shop primär im deutschsprachigen Raum betrieben wird und keine globalen Multi-Instanz-Anforderungen hat.
  • Die Lizenzkosten für Adobe Commerce den Nutzen nicht rechtfertigen.

Der Wechsel ist kritisch zu hinterfragen, wenn das bestehende Magento-System stark individualisiert ist, da Logik und Erweiterungen nicht einfach portierbar sind. Außerdem gilt: Je tiefer B2B-Workflows in Magento implementiert sind, desto aufwendiger ist die Migration.

Die genauen Stolperfallen und den Ablauf beschreibt der Wiki-Artikel Von Magento zu Shopware migrieren ausführlich. Für eine erste Einschätzung eignet sich auch unser Migrations-Check.

Shopware vs. andere Systeme: Kontext schaffen

Wer den Vergleich breiter führen will: Shopware schneidet im Bereich kleinerer bis mittlerer Shops anders ab als im Enterprise-Segment. Gegenüber WooCommerce ist Shopware in fast jeder Hinsicht das ausgefeiltere System für professionelle Händler, wie der Artikel Shopware vs WooCommerce zeigt. Gegenüber Shopify ist die Abwägung stärker kontextabhängig, da SaaS-Betrieb und Hosting-Freiheit eine eigene Rolle spielen. Dazu mehr im Vergleich Shopware oder Shopify.

Technische Entscheidungskriterien

Aus Agenturperspektive sind zwei Fragen entscheidend, bevor man ein System empfiehlt.

Erstens: Welche Betriebskapazität ist vorhanden? Magento-Shops brauchen entweder ein internes Entwicklerteam mit klarer Magento-Kompetenz oder eine spezialisierte Agentur, die dauerhaft verfügbar ist. Shopware-Shops sind wartungsärmer, aber auch nicht wartungsfrei. Wer Updates aufschiebt, holt sich früher oder später Sicherheitsprobleme ins Haus.

Zweitens: Wie komplex ist die Geschäftslogik? Katalog mit 100.000 SKUs, kundenindividuelle Preise, automatisierte Auftragssteuerung ins ERP, konfigurierbare Produkte. Beide Systeme können das abbilden. Der Unterschied liegt in der Entwicklungszeit und der Qualität der nativen Werkzeuge. Shopwares Rule Builder und Flow Builder ermöglichen viele Automatisierungen ohne eigene Programmierung. In Magento ist dafür fast immer Custom-Code nötig.

Häufige Fragen

Ist Magento Open Source wirklich kostenlos?

Die Lizenz ist kostenlos, der Betrieb nicht. Du trägst Updates, Sicherheits-Patches, Server-Infrastruktur und Agenturkosten vollständig selbst. Adobe bietet keinen Support für die Open-Source-Variante. Wer das mit einem erfahrenen Team steuert, kann Geld sparen. Wer das unterschätzt, zahlt später drauf.

Welches System ist besser für B2B?

Magento Adobe Commerce B2B ist in einigen Bereichen noch ausgereifter, vor allem bei komplexen Unternehmenshierarchien und Angebotsworkflows. Shopware holt mit den B2B Components aber auf. Für mittelständische DACH-B2B-Händler reicht Shopware in vielen Fällen aus, und der Betrieb ist erheblich günstiger.

Lässt sich Shopware genauso gut ins ERP integrieren wie Magento?

Ja. Die ERP-Anbindung bei Shopware ist technisch ausgereift. Ob xentral, SAP, Pickware oder ein Individualsystem, die API-Schnittstellen sind dokumentiert und stabil. Der Vorteil von Magento liegt nicht in besserer Integrierbarkeit, sondern in der größeren Anzahl fertiger Konnektoren für globale Systeme.

Kann ich von Magento zu Shopware wechseln, ohne alle Daten zu verlieren?

Produkte, Kunden und Bestellhistorie lassen sich migrieren. Der Aufwand hängt von der Datenmenge, der Qualität der Ausgangsdaten und der individuellen Magento-Konfiguration ab. Eine vollautomatische Migration gibt es nicht, aber ein strukturierter Migrationsprozess ist für die meisten Projekte machbar.

Fazit und nächster Schritt

Magento ist kein schlechtes System. Es ist ein komplexes System, das dann glänzt, wenn ein erfahrenes Team dahinter steht und das Budget für einen professionellen Betrieb vorhanden ist. Für den DACH-Mittelstand ist Shopware in den meisten Fällen die wirtschaftlichere und wartungsfreundlichere Wahl.

Wenn du gerade vor der Entscheidung stehst, welches System für deinen nächsten Schritt das richtige ist, oder wenn du einen bestehenden Magento-Shop analysieren lassen möchtest, hilft unser Team konkret weiter. Einen ersten Überblick über die Möglichkeiten bietet die Shopware-Migrationsseite, auf der wir auch beschreiben, wie ein Wechsel bei uns abläuft.

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