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Technik

Zahlungsarten in Shopware 6 einrichten und erweitern

Zahlungsarten in Shopware 6 korrekt einrichten, dem Sales Channel zuweisen und mit Drittanbieter-Plugins wie Mollie oder PayPal erweitern.

6 Min. Lesezeit

Shopware 6 liefert ein solides Fundament für die Zahlungsabwicklung, aber der Teufel steckt im Detail. Wer nur die Zahlungsart aktiviert und vergisst, sie dem Sales Channel zuzuweisen, wundert sich, warum Kunden sie im Checkout nicht sehen. Wer unkritisch den erstbesten Payment-Provider nimmt, zahlt womöglich Transaktionsgebühren, die einen ganzen Margenprozentpunkt auffressen. Dieser Artikel erklärt, wie das System funktioniert, was du beim Einrichten beachten musst und wann ein erweitertes Plugin Sinn macht.

Wie Shopware 6 Zahlungsarten grundsätzlich aufbaut

Zahlungsarten leben in Shopware 6 unter Einstellungen > Shop > Zahlungsarten. Dort findest du nach einer Standardinstallation bereits einige Methoden: Vorkasse, Rechnung, Lastschrift und Barzahlung. Diese sind ohne externe Zahlungsdienstleister nutzbar, aber rein manuell. Eine Bestellung mit Vorkasse löst keinen automatischen Abgleich aus. Du siehst den Zahlungseingang erst, wenn du ihn selbst im Backend pflegst oder über ein ERP-System einspielst.

Für automatisierte Zahlungsabwicklung, also Kreditkarte, PayPal, Klarna oder SEPA-Lastschrift mit Live-Abgleich, brauchst du immer ein Payment-Plugin oder eine Payment-App. Shopware selbst kooperiert seit einiger Zeit mit Mollie als integriertem Standard unter dem Label “Shopware Payments”. In der Cloud-Edition (Rise und aufwärts) ist Mollie tiefer eingebettet als in der Self-Hosted-Variante.

Der technische Kern jeder Zahlungsart ist ein sogenannter Payment Handler, eine PHP-Klasse, die das Verhalten beim Bezahlvorgang, die Weiterleitung zum Zahlungsanbieter und die Rückmeldung (Webhook) steuert. Wer eine eigene Zahlungsart per Plugin entwickelt, muss diesen Handler registrieren und Shopwares Payment-Interface implementieren.

Zahlungsarten aktivieren und dem Sales Channel zuweisen

Das ist der häufigste Einrichtungsfehler: Eine Zahlungsart ist aktiv, aber nicht dem richtigen Sales Channel zugeordnet. Im Checkout erscheint sie trotzdem nicht. Die Zuordnung passiert an zwei Stellen.

Erstens: Unter Einstellungen > Zahlungsarten aktivierst du die Methode global.

Zweitens: Unter Einstellungen > Sales Channels > [dein Kanal] > Allgemein trägst du die Zahlungsart im Bereich “Zahlungsarten” ein. Erst wenn sie dort auftaucht und der Haken gesetzt ist, steht sie deinen Kunden tatsächlich zur Verfügung.

Wenn du mehrere Sales Channels betreibst, zum Beispiel einen deutschen und einen österreichischen Shop, musst du die Zuweisung für jeden Kanal separat vornehmen. Das lässt sich für länderspezifische Methoden nutzen: Sofortüberweisung für Deutschland, iDEAL für die Niederlande, Bancontact für Belgien. Wie du Zahlungsarten nach Ländern filterst, ist in der Shopware Administration über Regeln steuerbar.

Zahlungsarten per Rule Builder steuern

Shopware 6 erlaubt es, Zahlungsarten an Bedingungen zu knüpfen. Über den Rule Builder kannst du festlegen, dass eine Methode nur bei bestimmten Warenkorb-Werten, Kundengruppen oder Lieferadressen erscheint. Praxisbeispiele:

  • Rechnung nur für Stammkunden (Kundengruppe oder Mindestanzahl Bestellungen)
  • Kreditkarte ab einem Mindesteinkaufswert von 50 Euro
  • Vorkasse nur bei Neukunden ohne verifizierten Account
  • PayPal nur für bestimmte Länder im Sales Channel

Die Regel wird direkt an der Zahlungsart unter “Verfügbarkeitsregel” hinterlegt. Das ist sauberer als eine Plugin-Lösung, weil du keine Code-Änderung brauchst und die Regel jederzeit im Backend anpassen kannst. Für eine tiefere Einführung in das Regelsystem lohnt sich ein Blick auf den Artikel zum Shopware Rule Builder.

Payment-Provider im Vergleich: Wer passt zu welchem Shop?

Der Markt ist voll mit Shopware-kompatiblen Payment-Providern. Die wichtigsten im DACH-Raum Stand 2026:

Mollie ist der von Shopware empfohlene Standard und durch “Shopware Payments” tief integriert. Mollie unterstützt Kreditkarte, PayPal, Klarna, SEPA-Lastschrift, iDEAL, Sofortüberweisung, Bancontact und weitere. Die Transaktionsgebühren sind methodenabhängig und liegen im europäischen Mittelfeld. Für die meisten mittelständischen Shops eine solide Wahl.

PayPal ist über ein offizielles Shopware-Plugin (früher PayPal PLUS, jetzt PayPal Checkout) einbindbar. PayPal Express im Warenkorb erhöht die Conversion spürbar, weil Kunden nicht mehr den kompletten Checkout-Prozess durchlaufen müssen. Nachteil: PayPal-Käufer-Schutz kann bei strittigen Transaktionen zugunsten des Käufers ausfallen.

Klarna ist über Mollie oder als Standalone-Plugin einbindbar. Kauf auf Rechnung und Ratenzahlung sind im deutschen Markt stark nachgefragt, besonders im Mode- und Elektronikbereich.

Novalnet und Heidelpay/Unzer sind weitere etablierte Provider mit breitem Methodenportfolio und eigenen Shopware-Plugins. Novalnet bietet auch Abomodelle und risikobezogene Zahlungssteuerung.

Die Wahl des Providers hängt nicht nur von den Methoden ab, die du anbieten willst, sondern auch von den Transaktionskosten, der Auszahlungsfrequenz, dem Chargeback-Handling und der Qualität des Supports. Lies die Vertragskonditionen, bevor du dich bindest.

Eigene Zahlungsarten per Plugin entwickeln

Manchmal reichen Standardlösungen nicht. Beispiele aus der Praxis: eine Shop-interne Guthabenlösung, eine Anbindung an ein firmeninternes ERP-Zahlungssystem oder ein branchenspezifischer Abrechnungsdienst.

In diesen Fällen entwickelst du ein Shopware-Plugin, das einen Payment Handler als PHP-Klasse implementiert. Der Handler muss das Interface Shopware\Core\Checkout\Payment\Cart\PaymentHandler\SynchronousPaymentHandlerInterface (für sofortige Zahlungen) oder AsynchronousPaymentHandlerInterface (für Weiterleitungen zu externen Anbietern) implementieren.

Das Plugin registriert die neue Zahlungsart beim Install-Lifecycle und trägt sie in die Datenbank ein. Nach der Installation erscheint sie in der Administration und kann dort konfiguriert und Regeln zugewiesen werden. Wichtig: Beim Deinstallieren des Plugins musst du entscheiden, ob bestehende Bestellungen mit dieser Zahlungsart lesbar bleiben sollen. Ein sauberer Deinstallations-Lifecycle gehört zum Pflichtprogramm.

Für die Praxis gilt: Wenn ein Payment-Plugin für einen renommierten Anbieter bereits im Shopware Store existiert, immer das offizielle Plugin verwenden. Eigene Entwicklung lohnt sich erst, wenn kein passendes Plugin existiert oder die Anforderungen signifikant abweichen.

DSGVO und PCI: Was du rechtlich beachten musst

Payment-Daten sind hochsensibel. Shopware selbst speichert keine Kreditkartendaten. Das erledigt der Payment Provider in seiner PCI-DSS-zertifizierten Infrastruktur. Dennoch gibt es einige Punkte, die du sorgfältig prüfen solltest.

Erstens: Deine Datenschutzerklärung muss den eingesetzten Payment Provider nennen und erläutern, welche Daten übertragen werden. Das gilt auch für PayPal, Klarna und Mollie. Zweitens: Cookies oder Tracking-Skripte des Providers brauchen eine Einwilligung im Cookie-Consent-System. Drittens: Bei Klarna-Rechnungskauf findet eine Bonitätsprüfung statt. Das ist datenschutzrechtlich relevant und muss in der Datenschutzerklärung stehen.

Für eine vollständige DSGVO-Checkliste für deinen Shop schau dir den Artikel zu Shopware DSGVO-konform betreiben an.

Häufige Fragen

Warum sieht mein Kunde die Zahlungsart im Checkout nicht?

Der häufigste Grund: Die Methode ist zwar aktiv, aber nicht dem Sales Channel zugewiesen. Prüfe unter Einstellungen > Sales Channels > [Kanal] > Allgemein, ob die Zahlungsart dort eingetragen ist. Ein zweiter häufiger Grund ist eine Verfügbarkeitsregel, die den aktuellen Warenkorb oder die Kundengruppe ausschließt.

Kann ich Zahlungsarten für einzelne Produktgruppen sperren?

Direkt auf Produktebene ist das nicht vorgesehen. Du kannst aber über den Rule Builder Bedingungen definieren, die auf Warenkorbinhalte reagieren, zum Beispiel auf eine bestimmte Kategorie oder ein Produkt-Tag. Eine saubere Umsetzung erfordert etwas Planungsarbeit, ist aber ohne Plugin lösbar.

Welcher Payment Provider ist der günstigste?

Das lässt sich pauschal nicht sagen, weil die Gesamtkosten stark vom Methodenmix, dem Umsatzvolumen und der Chargeback-Quote abhängen. Mollie, PayPal und Klarna liegen alle im vergleichbaren Preisbereich für europäische Märkte. Wichtiger als der Zehntelprozentpunkt ist oft die Qualität des Supports und die Stabilität der Integration.

Was passiert mit alten Bestellungen, wenn ich ein Payment-Plugin deinstalliere?

Die Bestelldaten bleiben erhalten, aber der technische Name der Zahlungsart ist möglicherweise nicht mehr auflösbar. Shopware zeigt in solchen Fällen den technischen Bezeichner statt eines lesbaren Namens. Für eine Ablösung oder einen Provider-Wechsel ist ein sauberer Migrationspfad wichtig: erst das neue Plugin aktivieren, dann das alte deaktivieren (nicht sofort deinstallieren).

Weiter denken: Versand, ERP und der vollständige Bestell-Flow

Zahlungsarten sind nur ein Baustein im Checkout. Erst wenn Zahlung, Versand und die Anbindung an ein ERP-System sauber zusammenspielen, läuft die Auftragsabwicklung wirklich reibungslos. Wie das mit xentral, Pickware und anderen Systemen aussieht, erläutert der Artikel zur Shopware ERP-Anbindung.

Wenn du unsicher bist, ob deine aktuelle Payment-Konfiguration wirklich optimal aufgestellt ist, oder wenn du einen Provider-Wechsel planst: Im Rahmen unserer Shopware-Betreuung schauen wir uns solche Themen regelmäßig gemeinsam an, damit keine Umsätze an ungünstigen Checkout-Hürden hängenbleiben. Außerdem gibt unser Artikel zu den beliebtesten Zahlungsarten im E-Commerce einen guten Überblick darüber, was Käufer im deutschen Markt wirklich erwarten.

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